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Die Brücke in den Himmel

Geschichte für Himmelfahrt von Georg Dreissig

Vor langer Zeit haben die Menschen einmal zum Himmel aufgeschaut und zueinander gesagt: »Es wäre doch recht schön, wenn wir zwischen Himmel und Erde eine Brücke bauen würden. Dann könnten wir, wenn wir wollten, hinaufgehen und schauen, wie es im Himmel aussieht. Ja, das wäre eine feine Sache.« »Aber«, gab einer zu bedenken, »wie machen wir es, dass kein Schelm über die Brücke in den Himmel wandert? Das würde den lieben Gott und die Engel vielleicht verärgern.« »Wir machen eine Schranke davor«, beruhigten ihn die übrigen, »und an die Schranke stellen wir einen Wächter, der keinen Schelm hindurchlassen darf.« Und meinten alle, selbst keine Schelme zu sein.

Dann haben die Menschen Schaufeln genommen und fleißig Sand aufgeschüttet. Aber immer, wenn sie einen großen Berg davon zusammen hatten, rieselte der Sand auseinander, und sie mussten alles aufs Neue beginnen. Endlich merkten sie, dass es mit Sand nicht zu machen sei. »Der Sand ist zu locker«, sagten sie, »wir müssen etwas Festeres nehmen.« Jetzt fingen sie an, die Brücke aus Steinen und Mörtel zu bauen. Nachdem sie sich aber ein Jahr um das andere abgemüht hatten, merkten sie, dass sie auch mit dieser Brücke aus Stein nicht bis zum Himmel kamen. Sie hatten einfach nicht genügend Steine. Jetzt waren sie ziemlich ratlos. Was sollten sie tun? Gab es denn niemanden, der ihnen helfen konnte? Seht, da kam ein Mann daher, das war aber ein verkleideter Engel. Der konnte ihnen Rat geben. »Wenn ihr eine Brücke in den Himmel bauen wollt«, sagte er, »dann dürft ihr dazu keinen Sand und auch keine Steine nehmen. Ihr müsst sie aus Wasser und Licht bauen, sonst stürzt sie zusammen.« »Aus Wasser und Luft?«, wunderten sich die Menschen. »Wie sollte das denn einer zuwege bringen?« Der Mann aber sagte, er wolle ihnen die Brücke schon bauen, und zwar nicht in einem Jahr, sondern in einem Augenblick. Sie sollten sich nur ein wenig gedulden. Da waren die Menschen sehr gespannt, was er ihnen zeigen würde. Als die Sonne begann, sich gen Abend zu neigen, hob der Mann die Hand und wies nach Osten. Da verdunkelte sich dort der Himmel, und es begann zu regnen. Wiederum hob der Mann die Hand und schrieb vor den Regenschleier einen weiten Bogen. Und was meint ihr, was da geschah? Auf einmal zeigte sich die Brücke zwischen Himmel und Erde, und sie war wirklich in einem Augenblick aus nichts anderem als aus Wasser und aus Licht gebaut. Es war der Regenbogen. »Seht ihr, schon ist die Brücke fertig«, sagte der Mann, »und es bedarf auch keines Wächters, der verhütet, dass ein Schelm darauf in den Himmel wandert. Die Brücke ist so geartet, dass Schelme sie gar nicht erst betreten können.« Sprachs’, trat vor aller Augen auf die Brücke und wanderte darauf in den Himmel. Ob ihm wohl einer gefolgt ist? Ach nein. Die Menschen blickten ihm nach und gingen still in ihr Haus. Sie hatten eingesehen, dass sie alle miteinander Schelme waren, als sie eine Brücke in den Himmel bauen wollten.

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Festausgabe Himmelfahrt

Liebe Mitglieder und Freunde der Christengemeinschaft!

Mit dieser Ausgabe erhalten Sie die Perikope, welche zu Himmelfahrt gelesen wird und auch die Beschreibung aus der Apostelgeschichte. In dieser wird den Jüngern die Frage gestellt: Was steht ihr da und blickt zum Himmel?

Und die Männer aus Galiläa erhalten einen Hinweis: Der, der von euch weg in den Himmel erhoben ward, er wird kommen in derselben Art, wie ihr ihn jetzt dem Himmel sich verbinden saht.

Mit was für Augen müssen wir zum Himmel blicken um zu verstehen? Und wie müssen wir zur Erde, in die Welt blicken, um ihn da wieder zu finden?

Wir sind heute nicht wie die Männer aus Galiläa. Wir blicken zum Himmel und stellen uns diesen Fragen mit einem offenen Herzen gegenüber.

Manch einer entdeckt auf diese Weise über die Jahre vieles, was sich dort oben abzeichnet und kommt so zu der Aussage: Es ist ein richtiger Himmelfahrtshimmel. Ja, das kann man sehen. Auch in diesem Jahr.

Ich wünsche Ihnen viele freie Aussichten zum Himmel und sternklare Nächte.

Ihre Anna Hofer

Beilagen:

PS: Die Voranmeldungen zur Menschenweihehandlung an den Sonntagen und Feiertagen ist organisatorisch relativ aufwendig und für uns alle wenig erfreulich. Ich möchte Sie an dieser Stelle daran erinnern, dass wir dies letztlich nur tun, weil wir weniger Plätze zur Verfügung haben. Bitte melden Sie sich deshalb bis spätestens um 18:00 Uhr am Vortag bei Frau Schubert. Danke.

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Himmel sein für das Erdensein

von Georg Dreissig

In der Menschenweihehandlung heißt es von dem zum Himmel aufgefahrenen Christus, er lebe im Er-densein und verkläre das Erdensein mit Himmels-sein. Dafür, wie das vorzustellen ist, dass Erdensein mit Himmelssein verklärt wird, wollen wir versu-chen, Verständnis zu entwickeln.

»Ich sehe klar genug, was ich zu sehen brauche; die ganze Schöpfung lebt von Gottes Lebenshauche. Wie sie den Hauch empfing, das ist von Nacht um-hangen; wir aber preisen Gott, dass sie den Hauch empfangen.«
Wie sicher setzt Friedrich Rückert diese Aussage hin: »Ich sehe klar genug, was ich zu sehen brauche; die ganze Schöpfung lebt von Gottes Lebenshau-che.«

Wenn man dem doch ebenso klar und sicher bei-pflichten könnte! Aber diese Sicherheit des Sehens, der Erfahrung stellt sich bei uns nicht ohne weiteres ein. Wenn wir vom Himmel sprechen, von der Sonne, den Wolken, vom Wind, so können wir eini-germaßen sicher sein, dass die anderen Menschen verstehen, was wir meinen, worauf wir mit unseren Wörtern hinweisen. Nicht so, wenn wir vom Geist reden, und schon gar nicht, wenn wir von Erweisen des Geistes in der Sinneswelt, von Spuren Gottes in der Natur reden wollten. Wie kann es denn sein, dass dem einen alle Dinge der Welt von Gottes Da-sein und Wirken künden – der Glanz der Steine, die Schönheit der Blüten, die Ordnung der Sterne – und einem anderen dies alles nur materielle Angelegenheiten sind, die höchstens auf physikalische oder chemische Vorgänge hinweisen? Offensichtlich ist die Möglichkeit, geistige Offenbarungen wahrzunehmen, nicht an die Möglichkeit einer Sinneswahrnehmung als solcher geknüpft. Beim Nicht-wahrnehmen-Können geistiger Offenbarungen in der Welt handelt es sich gar nicht um eine Schwachheit der Sinne, sondern vielmehr um das Unvermögen, Wahrgenommenes als wesenhafte Offenbarung zu verstehen. Weil das Denken, das Verstehen nicht bereit ist, Geistiges zu erfassen, können die Wahrnehmungen nicht davon künden. Es gibt nichts, was den Sinnesprozess stärker beeinflussen und hemmen könnte als ein falsches Urteil, das wir einer Sache entgegentragen. Ja, wir können diese Tatsache sogar noch schärfer formulieren und sa-gen: Wir sind überhaupt nur solange in der Lage, mit unseren Sinnen wahrzunehmen, wie wir den ur-teilenden Verstand in seiner Tätigkeit zurückhalten können. Das ist aber leichter gesagt als getan. Jeder Mensch kann heute an sich selbst beobachten, dass scheinbar in demselben Augenblick, in dem unser Auge etwas sieht, in dem unser Ohr etwas hört, sich auch bereits ein Begriff, ein Name zu der Wahrnehmung hinzugesellt. Das urteilende Verstehen er-greift die Sinneswahrnehmung bereits, ehe sie sich voll entfalten konnte, und setzt ihr damit ein Ende. Der Tatsache, dass sich zu einer Wahrnehmung der zutreffende Begriff wie von selbst einstellt, verdanken wir ein gehöriges Maß an Sicherheit dem gegen-über, was auf uns aus der Sinneswelt eindringt. Wer einmal in der Situation gewesen ist, dass er einen Sinneseindruck nicht benennen konnte, wer erlebt hat, dass er etwas sieht, was er nicht versteht, der weiß, wie unsicher, ja ängstlich ein solches Ereignis machen kann. Dennoch gilt, dass das augenblickliche Bereitstellen eines passenden Begriffes dem Wahrnehmen selbst nicht zuträglich ist. Wollen wir Wahrnehmung üben, müssen wir diesen Vorgang kennen. Dann können wir in ihn eingreifen, können den sich einstellenden Begriff noch einmal zurück-drängen und auf diese Weise dem Sehen, dem Hören den Platz schaffen, den sie brauchen, damit sie sich entfalten können. So erziehen wir uns zum Staunen. Im Staunen aber verbindet sich statt des Denkens eine ganz andere Seelenkraft mit dem Wahrgenommenen: unser Gemüt, unser Mitfühlen. Welchen Unterschied macht es denn, ob wir mit dem Denken oder mit dem Empfinden, mit den Kräften unseres Gemütes die Dinge der Welt auf-nehmen? Malen wir uns einmal vor unseren inneren Blick eine Wiese, in helles, warmes Sonnenlicht getaucht, auf der zahllose Blumen ihre Blüten geöffnet haben und das allgemein vorherrschende Grün mit den unterschiedlichsten Farbtupfern bereichern. Lauschen wir dem Summen und Brummen der eifrigen Bienen und der emsigen Käfer, folgen wir in innerer Beschaulichkeit dem Gaukelflug der Schmetterlinge – hier zwei Zitronenfalter, drüben ein Pfauenauge, da hinten Kohlweißlinge – sobald wir sie zu zählen beginnen, sind sie verschwunden, aber andere tauchen unvermittelt auf… Der warme, ein wenig trockene Duft der Wiese steigt uns in die Nase. Ein Windhauch streicht über uns, und die Halme neigen sich leise vor ihm… Hätten wir keine Begriffe, wir könnten das Bild gar nicht in unsere Seele hereinrufen. Aber was aufgrund der Benennungen in unserer Seele entsteht, ist erstaunlicher Weise etwas ganz anderes als die Summe der aus-gesprochenen Begriffe. Es ist ein Erlebnis, eine Erfahrung, eine Stimmung, die von den Begriffen ganz unabhängig ist, die unmittelbar mit dem Wahrgenommenen selbst zusammenhängt. Was tut unser Gemüt? Es lässt die von den Begriffen zu den Din-gen leiten, auf die es hingewiesen wurde. Dann aber sieht es ganz ab von den Begriffen und lässt die Dinge selbst in sich aufleben. Es blüht mit den Blumen im Sonnenschein, gaukelt mit den Schmetterlingen über die Wiese, streicht mit dem Windhauch über die Halme. Das Gemüt fragt nicht, welcher Be-griff zu einer Wahrnehmung hinzugehört, es lebt sich in das Wahrgenommene selbst unmittelbar ein, identifiziert sich damit. Es setzt nicht einen Namen an die Stelle des Sinneseindrucks, sondern ergänzt und bereichert ihn mit einer seelischen Empfindung.
Das Gemüt schreibt der Seele nicht das Wort »Falter« ein, es macht, dass die Seele selbst ein wenig zum Falter wird – und das ist ihre Art, den Falter wahrzunehmen: nicht als Ding von außen, sondern als Wesen von innen. Indem es das tut, erlebt die Seele unmittelbar, dass sie mit den Dingen der Welt verwandt ist. Der Verstand hat es mit Objekten zu tun. Das Gemüt erlebt nicht objektiv, sondern subjektiv: Diese Erfahrungsweise erlaubt ihm, das Wesen der Dinge zu erfassen, ihr Inneres mit dem eigenen Erleben zu ertasten, ihre Absichten und Ziele als innere Erfahrung zu erspüren. Was dem Verstand nur Attribute sind, an denen es ein Ding wiedererkennt – der Stängel, die Blattform, die Blütenfarbe einer Blume–, das erfühlt das Gemüt als Gebärde, als Geste, in dem das so wahrgenommene Wesen sich ausspricht: im aufrechten Stängel sein Streben zum Licht, in der Rundung oder Zackigkeit der Blattform seine Wesenseigenart, im offenen Kelch seine Hingabe- und Empfangsbereitschaft. Wir sagten am Anfang, dass es dem Geistigen in der Welt gegenüber eine weit verbreitete Sinnesschwäche gebe. Wir haben zu zeigen versucht, dass diese Sinnesschwäche ihre Ursache nicht in der Beschaffenheit der Sinne selbst hat, sondern in der Art hat, wie wir uns im allgemeinen der Welt zuwenden. Unser schnelles Urteilen gewährt uns ein Gefühl der Sicherheit in der Fülle der Sinneseindrücke, die auf uns einstürmen. Es verhindert aber ein tieferes Wahrnehmen der Dinge um uns her. Nur was in unserer Seele aufleben, was in uns zu seinem äußeren Dasein eine innere Offenbarung hin fügen kann, das kann auch von seinem heimlichen Wesen, von dem in ihm verborgenen Geistigen künden. Unsere eigene Seele ist die Welt, in der die Dinge das geistige Wesen aussprechen, das sie in sich tragen, und wir müssen ihnen, wollen wir an das Geistige in ihnen rühren, den Zugang zu dieser Welt, die Beziehung zu unseren Gemütskräften, öffnen.

Mit dieser Haltung ist aber weit mehr verbunden als nur die Möglichkeit für uns selbst, an das Wesen-hafte in den Dingen der Welt zu rühren. Sie erscheinen nicht nur in unserer Seele anders, als sie allein von den Sinnen wahrgenommen würden; sie verwandeln sich auch, sobald unser liebevoller Blick auf sie fällt. (Davon spricht Rudolf Steiner in seinen Vor-trägen über »Anthroposophie und das menschliche Gemüt«.) Indem wir uns in ihr Wesen einleben, sie in unserem Mitempfinden erstehen lassen, ist es für die Naturwesen, als würden sie aus dem Traum ihres Daseins erwachen. In unserem eigenen Begreifen, begreifen auch sie, wer sie sind und welches Ziel sie in sich tragen. Was in der Pflanze als Seelengeste erstarrt und veräußerlicht erscheint, erfüllt sich nun mit Seele. Was im Tier als Seelentrieb vereinseitig erscheint, wird aufgenommen in das Wechselspiel menschlicher Seelenregungen und gewinnt Anteil am Willen zur Läuterung. Indem wir als Menschen die Beziehung zu ihnen aufnehmen, wird es den Dingen der Welt möglich, in einer gewissen Weise »Ich« zu sich zu sagen. Erlösung aus der Traumbefangenheit, der Schlafbefangenheit ihres Erdenseins suchen die Wesen der Natur in unserer anteilnehmenden Seele. Wo unsere Sinne wahrnehmen, da geht ein Teil der Verantwortung dafür, dass diese Erlösung geschehen kann, auf uns über. Davon schreibt Paulus den Römern, wenn er darlegt, dass die Wesen der Schöpfung voller großer Sehnsucht auf den Menschen schauen, der bewirken soll, dass auch durch ihre Reiche »der Atem der Freiheit hin-durchgehen« kann, auf dass sie die Vergänglichkeit abschütteln und Anteil am geistig Wesenhaften gewinnen können (Rö 8). Mit ganz anderen Worten spricht der Fuchs zum kleinen Prinzen in der gleichnamigen Erzählung von Saint-Exupéry von demselben Geheimnis, wenn er lakonisch feststellt: »Du bist für deine Rose verantwortlich.« Nicht nur für unsere Art des Erkennens und Verstehens der Welt ist es von Bedeutung, auf welche Weise wir uns den
Dingen zuwenden, auch für die Kreatur bedeutet es sehr viel. Indem wir uns vergegenwärtigen, in welchem Verhältnis zur Welt wir mit unseren eigenen Gemüts- und Erkenntniskräften stehen, haben wir eine Möglichkeit gewonnen, auch das Himmelfahrtsereignis in seiner Auswirkung tiefer zu begreifen. Vor dem Blick der Jünger entschwand die Gestalt Christi im Wolkenreich. Das Wesen Christi blieb nicht mehr auf den menschlichen physischen Leib beschränkt. Es wurde an Himmelfahrt welten-weit. Was das bedeutet, können wir jetzt ein wenig fassen. Nicht nur in der äußeren Welt haben die Dinge der Welt und haben wir selbst seither unser Dasein und Leben. Auch in seinem Wesen sind wir anwesend. »In ihm leben und weben und sind wir«, verkündet es Paulus (Apg 17, 28). Wie in uns die Dinge der Welt zu ihrem Eigenwesen erwachen, ihr Eigenwesen erfahren möchten, so gibt es auch für uns ein höheres Erwachen und ein höheres Erfahren unserer selbst durch die Tatsache, dass wir im We-sen des auferstandenen Christus mitleben. Unsere besten Absichten und unsere höchsten Ziele leben auf in seinem Mitfühlen, in seinem Mitwollen und werden dort für uns erkennbar – und auch für uns. Dieses Mitleben in der weltenweiten Christusseele ist die Grundlage dafür, dass wir immer wieder Auferstehung erfahren, Auferstehung aus den Abgründen unserer eigenen Schwäche, unserem Ungenügen, unserer Ziellosigkeit. Wenn wir zum Nachthimmel aufschauen, erkennen wir dort die zahllosen Sterne, die uns tagsüber verborgen waren. Jeder Mensch, so meinte man früher, habe dort oben seinen eigenen Stern. So können wir ahnen, dass in der zum Himmel gewordenen Christusseele ein jedes Menschenwesen wie ein Stern leuchtet, durchfühlt und in seinem Ziel verstanden und gefördert durch das Miterleben und Mitempfinden des Christus selbst. In unserem Erdensein verdüstert sich uns mitunter der Blick auf uns selbst, wir zagen, zweifeln an uns, am Sinn unseres Daseins. Indem wir uns einleben in den Himmel der Christusseele, kann unser Wesen sternengleich über uns aufleuchten. Wir erfühlen, wie er, Christus, uns denkt, wie er uns fühlt, wie er uns will.
So finden wir, von seiner Seelenkraft gestärkt, neuen Mut zu uns selbst und zum Leben auf der Erde, dass wir jetzt zugleich ein Leben erfahren im Himmel seiner weltenweiten Seele.
»In ihm leben und weben und sind wir.«

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Evangelium zu Himmelfahrt

Bittet von Herzen

Johannes 16, 24 – 33, 21. Mai 2020 in der Übersetzung von Tom Tritschel

Bittet aus dem Herzen so wird eurem Herzen gege-ben, damit eure Freude sich erfülle.

Das alles habe ich in Bildern zu euch gesprochen. Aber es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildern zu euch sprechen werde. Dann werde ich offen und unmittelbar vom Vater zu euch sprechen. An jenem Tage werdet ihr in meinem Namen bit-ten. Und ich werde den Vater nicht mehr bitten für euch. Denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich vom Vater komme. Ich bin hervorgegangen aus dem Vater und gekommen in diese Welt. Und nun verlasse ich die irdische Welt wieder und gehe zum Vater.

Da sprachen seine Jünger: Siehe, jetzt sprichst du offen und unverhüllt und sprichst nicht mehr in Bildern. Jetzt erkennen wir, dass vor dir alles offen-bar ist. Und du bedarfst nicht, dass jemand dich fragt. Und so vertrauen wir, dass du vom Vater kommst.

Und Jesus antwortete: Ihr meint, dass ihr jetzt den Glauben habet? Siehe, es kommt die Zeit, und sie ist schon gekommen, da ihr alle auseinandergetrie-ben werdet, ein jeder in sein Eigensein. Dann wer-det auch ihr mich allein lassen. Aber ich bin nicht allein, sondern der Vater ist immer bei mir. Diese Worte habe ich zu euch gesprochen, damit ihr in mir den Frieden findet. In der Welt habt ihr Angst, aber fasset Mut: Ich habe die Welt überwunden.


Apostelgeschichte 1, 3 – 12

in der Übersetzung von Johannes Lauten

Vierzig Tage lang weilte der Herr sichtbar im Kreise der Jünger, denen er sich nach seinem Todesleiden in vielen Zeichen als der Lebendige erwiesen hatte und sprach zu ihnen vom Gottesreich. Und so, ganz mit ihnen verbunden, wies er sie an: Entfernt euch nicht aus Jerusalem. Erwartet hier die Erfüllung des-sen, was ich euch vom Vater verkündete. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Hei-ligen Geist getauft werden. Bis zu dieser Zeit wer-den nicht viele tage vergehen.

Da fragten ihn, die versammelt waren, und spra-chen: Herr, errichtest du in dieser Zeit auch das Kö-nigtum Israel wieder? Er sprach zu ihnen: Nicht an euch ist es, die Zeit und ihre Erfüllung zu kennen, die der Vater in der ihm eigenen Allmacht bestimmt hat. Doch ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, die sich auf euch hernieder senkt, und so werdet ihr meine Werke weiterführen in Jerusa-lem und in ganz Judäa. Und über Samarien hinaus bis an die äußersten Grenzen der Erde.

Nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen em-porgehoben, und eine Wolke entzog ihn ihren Bli-cken. Und wie sie unverwandt dem Scheidenden nach zum Himmel schauten, siehe, da standen zwei Männer bei ihnen in leuchtend weißen Gewändern, die sprachen : Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel erhoben ward, er wird kommen in derselben Art, wie ihr ihn jetzt dem Himmel sich verbinden saht.

Da verließen sie den Berg, den man den Ölberg nennt und der, einen Sabbatweg entfernt, nahe bei Jerusalem liegt, und kehrten in die Stadt zurück.

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Aktuelles Programm

Liebe Mitglieder und Freunde der Christengemeinschaft!

Die Menschenweihehandlung findet diese Woche gemäss der Nachricht von letzter Woche wie folgt statt:

10:00 Uhr                    Mittwoch
09:00 Uhr                    Donnerstag
10:00 Uhr                    Freitag
10:00 Uhr                    Samstag
10:00 + 11:15 Uhr       Sonntag mit Voranmeldung*

Ab dem 18. Mai ergibt sich für die nächsten Wochen die folgende Umstellung:

Mo. – Mi.                    KEINE
09:00 Uhr                    Donnerstag*
10:00 Uhr                    Freitag
10:00 Uhr                    Samstag
10:00 Uhr                    Sonntag mit Voranmeldung**
11:30 Uhr                    Sonntagshandlung für die Kinder

Folgende Veranstaltungen werden beginnen:

Gemeindewerkstatt      am 23. Mai um 11:20 Uhr
Evangelienkreis             am 28. Mai um 10:30 Uhr in der Gemeinde
Evangelienkreis            am 28. Mai um 20:00 Uhr in Gummersbach
Samariterkurs             am 6. Juni anschließend an die Menschenweihehandlung
Wirtschaftskreis         am 14. Juni um 12:15 Uhr
Kreativ-Forum            am 16. Juni um 19:30 Uhr
Projekt Lila                 am 23. Juni um 19:30 Uhr

Vortrag

Der Ring in der Mythologie von Ralf Steinhoff wird wie geplant am 18. Juni um 20:00 Uhr stattfinden.

  • Alle weiteren Veranstaltungen (Sommer-Fest, Gartentag und Finissage der Ausstellung) bleiben weiterhin offen – Sie werden sobald wie möglich darüber informiert.
  • Pfingsten (31. Mai, 1. & 2. Juni) feiern wir, wie im Programm angekündigt, während der 3 Tage um 10:00 Uhr in den angekündigten Sprachen. Bitte um Voranmeldung.**
  • Grundsätzlich gelten die Hygienebestimmungen und wir werden die Abstände einhalten (siehe Hygiene-Konzept).

   Herzliche Grüße
   Ihre Anna Hofer

*am 21. Mai ist Himmelfahrt:

10:00  + 11:15 Uhr      mit Voranmeldung** 
                                    ohne Ausflug

**Voranmeldung: bitte melden Sie sich weiterhin bei Frau Schubert an. Ihre Nummer ist: 0157 – 73 17 96 48.

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Ich bin der Weg

Johannes 14, 1 – 31, 10. Mai 2020 in der Übersetzung von Johannes Lauten

Und er wandte sich an seine Jünger und sprach: Nicht schwach soll werden euer Herz. Bauet auf die Kraft, die euch zu dem väterlichen Weltengrunde und die euch zu mir führt. In dem Hause meines Vaters ist Lebensraum für viele. Wäre es nicht so, ich hätte zu euch gesagt, dass ich hingehen will, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingegangen bin und die Stätte für euch bereitet habe, so will ich von neuem zu euch kommen und euch aufnehmen bei mir, damit ihr seid, wo ich bin. Und wohin ich jetzt gehe, meinen Weg, den kennt ihr.

Thomas sprach zu ihm: Herr, wir durchschauen nicht, wohin du gehst; wie sollen wir den Weg wissen? Jesus antwortete ihm: Ich bin der Weg. Ich bin die Wahrheit. Ich bin das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr erfahren hättet die Kraft meines Wesens in euch selbst, so hättet ihr den Vater erkannt. Von nun an erkennt ihr ihn, denn ihr habt ihn mit Augen gesehen.

Da sprach Philippus zu ihm: Herr, lasse uns sichtbar werden den Vater; das wird unserer Seele genügen. Und Jesus sprach zu ihm: So lange Zeit bin ich nun bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater. Wie kannst du sagen: Lasse uns sichtbar werden den Vater? Gründet sich dein Vertrauen nicht in der Tatsache: Ich im Vater – der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch spreche, die spreche ich nicht aus mir selbst; der Vater, unverbrüchlich mir verbunden, vollbringt in ihnen seine Werke. Erhebt euch zu der Gewissheit: Ich im Vater – der Vater in mir. Wenn ihr das nicht vermögt, dann vertrauet den Werken. Amen, die Wahrheit sage ich euch: Wer sich im Vertrauen mit mir verbindet, der wird die Werke auch vollbringen, welche ich tue, und er wird größere Werke vollbringen; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in der Kraft meines Namens, das will ich vollbringen, damit geoffenbart werde das Sein des Vaters in dem Wirken des Sohnes. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich vollbringen.

Wenn ihr mich wahrhaft liebt, so werdet ihr meine Geistesziele in euch bewahren, und ich will den Vater bitten, dass er euch einen neuen Geistesführer sende, der bei euch bleibe durch alle Zeiten: den Geist der Wahrheit. Ihn kann die Welt nicht aufnehmen, denn die Menschen der Erde sehen ihn nicht und erkennen ihn nicht; ihr aber erkennt ihn, denn wer wird bei euch bleiben und in euch wirken. Ich will euch nicht als Waisenkinder zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist jetzt nur noch eine kurze Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber werdet mich schauen, denn ich lebe, und in die Reiche des Lebendigen sollt ihr euch erheben. An jenem Tage werdet ihr erkennen: Ich im Vater – ihr in mir – ich in euch. Wer mich wahrhaft liebt, der wird meine Geistesziele in sich bewahren und sie in seinem Erdenwirken vollbringen. Ihn wird mein Vater aufnehmen in seine Liebe, und auch ich will ihn lieben und in ihm wohnen als eine Lichtgestalt.

Da sprach Judas, nicht der Iskariot, zu ihm: Herr, was ist geschehen, dass du dich uns offenbaren willst in deiner Lichtgestalt und nicht den Erdenmenschen? Da antwortete Jesus und sprach zu ihm: Wer mich wahrhaft liebt, offenbaret meinen Geist, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm zubereiten eine Stätte des ewigen Überdauerns. Wer mich nicht liebt, kann auch mein Wort nicht in sich bewahren, denn das Wort, das ihr vernehmt, ist nicht aus mir; es geht hervor aus dem Vater, der mich gesandt hat. Dies habe ich zu euch geredet, während ich noch bei euch gewesen bin. Der Tröster aber, der heilig reine Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, er wird euch alles lehren, dessen ihr bedürft, und er wird in eurem Innern erwecken alles, was ich jemals zu euch geredet habe.

Frieden schenke ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Und ich gebe euch meinen Frieden nicht, wie die Welt etwas schenkt. Nicht schwach soll werden euer Herz und nicht furchtsam. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sprach: Nun gehe ich dahin, und ich komme zu euch. Würdet ihr mich wahrhaft lieben, so würdet ihr frohlocken, dass ich sagte: Ich gehe zum Vater. Denn der Vatergott ist grösser, als ich bin. Und nun habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit, wenn es dann geschehen wird, ihr von ganzem Herzen glauben möget. Es ist nicht mehr vieles, was ich jetzt noch mit euch reden werde; denn es naht der widerrechtliche Fürst dieser Welt; doch an meinem Wesen hat er keinen Anteil, und er hat keinen Anspruch an mich. Die Welt soll durchschauen, wie ich den Vater liebe und wie ich handle im Sinne des väterlichen Weltengrundes. So ist es mir auferlegt. Tuet solches desgleichen, dann können wir ruhig diesen Ort verlassen.

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Geschichte für den fünften Ostersonntag

von Georg Dreißig

Ruths Tapetentür

Ruth ist sieben Jahre alt, aber weil ihre Arme und Beine nicht so stark sind wie die Arme und Beine von anderen Kindern, muss sie viel im Bett liegen oder im Rollstuhl sitzen. Deshalb kommt sie auch nicht so leicht aus ihrem Zimmer heraus. Dennoch erzählt sie euch immer wieder, dass sie eben einen Spaziergang gemacht habe. Wo war sie denn, und wer hat ihren Rollstuhl für sie geschoben? Wenn ihr euch in Ruths Zimmer etwas genauer umschaut, bemerkt ihr, dass jemand etwas an ihre Wand gemalt hat: Mit einem schwarzen Stift hat er etwas schief und nicht besonders schön ein ziemlich hohes Viereck gezeichnet. Ruth macht es nichts aus, dass das Viereck nicht so hübsch geworden ist, denn für sie ist es gar keine Zeichnung, sondern eine Tür.

 »Das ist meine Tapetentür«, erklärt euch Ruth, »mein Pate hat sie für mich dorthin gemalt, dass ich hinausgehen kann, wann immer ich will, und auch jederzeit Besuch empfangen kann.«

Ei, werdet ihr vielleicht denken, durch eine Tür, die einfach nur auf die Wand gezeichnet ist, kann man doch nicht hindurchgehen. Wo soll man denn da eine Klinke herunterdrücken und wie die Tür aufstoßen? Wenn ihr es selbst versucht, wird es euch auch kaum gelingen. Nein, so geht es natürlich nicht. Ruth aber hat gelernt, wie es geht. Sie hat lange Zeit, wenn sie im Bett lag, einfach auf ihre Tapetentür geschaut und sich ausgedacht, was dahinter liegen mag. Da hat sie vor sich ein schönes Land gesehen mit Wiesen und Blumen, mit vielerlei Tieren und einem Bächlein – eine ganz wunderschöne Landschaft. Allmählich ist sie mutiger geworden. Da hat sie in der Landschaft eines Tages ein Mädchen getroffen, das ein wenig aussieht wie sie selbst. Aber das Mädchen kann laufen und sogar auf Bäume klettern, es kann auf einem Pferd reiten oder, wenn es will, auf einem Reh, und es kennt viele geheime Stellen, wo sie schöne Dinge finden können, die da verborgen sind: besondere Blumen oder Edelsteine.

Außerdem hat das Mädchen Flügel, und wenn Ruth mit ihm zusammen ist, dann hat auch Ruth Flügel, und dann können sie beide über das schöne Land fliegen oder auch hinauf zu dem Schloss, in dem das andere Mädchen wohnt. Wundert es euch, dass das andere Mädchen auch Ruth heißt? »Die andere Ruth« nennt Ruth sie. Es gibt so etwas. Seht ihr, so hat Ruth allmählich gelernt, durch die Tapetentür des Paten hindurchzugehen, und wenn sie gerade keine Lust hatte, in jenes andere Land zu verreisen, dann hat sie doch gewusst, dass es da ist und sie jederzeit dorthin gehen kann, wenn sie will. Da hat sie sich in ihrem Rollstuhl nicht mehr so allein gefühlt. Wenn es ihr aber schlecht ging – und das kam immer wieder einmal vor –, dann hat sie manchmal gehört, wie die Tür leise von der anderen Seite geöffnet wurde, und dann wusste sie: Jetzt ist »die andere Ruth« zu mir gekommen. Sie brauchte die Augen dafür gar nicht zu öffnen; sie merkte auch so, dass die andere mit ihren großen Flügeln da war, dass sie neben ihrem Bett stand, einfach so, um da zu sein, damit Ruth nicht allein wäre. Dann war das Kind getröstet, und am nächsten Tag ging es im schon wieder viel besser. Meint ihr immer noch, dass eine Tür nicht zu öffnen sei, wenn sie nur mit einem Stift auf eine Wand gemalt ist? Ei, man muss nur lernen, wie man eine solche Tür öffnet, dann geht es schon. Ruth jedenfalls ist froh, dass sie diese Tür hat, durch die sie zur »anderen Ruth« gehen und jene zu ihr kommen kann. Fragt euren Paten, wenn er euch wieder einmal besucht, ob er euch nicht auch eine solche Tür schenken kann und euch lehren, wie man sie öffnet!

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Sonntagsgabe fünfter Ostersonntag

Liebe Mitglieder und Freunde der Christengemeinschaft!

Hiermit sende ich Ihnen wenigstens das Evangelium und die Sonntagsgeschichte für die Kinder zu.

Sie erhalten von mir bis zum Sommer nun nur noch für die Festeszeiten, Himmelfahrt, Pfingsten und Johanni, eine Sonntagsgabe und ich hoffe, dass Sie sehr bald meine Erinnerungen an die Veranstaltungen in der Gemeinde erhalten.

Bitte bleiben Sie dran und schauen Sie immer mal wieder nach, ob Sie eine Nachricht bekommen haben.

Bis bald!

Ihre Anna Hofer

Download Sonntagsgabe 10.05.2020

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Geschichte für den vierten Ostersonntag

von Georg Dreißig

Warum der Schmetterling die Blüten so gern hat

Eine Raupe hatte sich fleißig von einem grünen Blatt der Brennnessel zum nächsten emporgefressen, denn Blätterfressen, meinte sie, sei überhaupt das allerwichtigste im Leben. Jetzt stieg sie wieder ein Stückchen höher und wollte eben mit dem Schmaus beginnen, als sie auf einmal stutzte. Das Blatt, in das sie hatte beißen wollen, war gar nicht grün wie die anderen, sondern weiß.

Da hielt sich die Raupe mit den Hinterbeinen ordentlich am Stängel fest und beugte den Vorderkörper so weit ab, dass sie gut hinaufschauen konnte. Siehe da: Das weiße Blatt war tatsächlich ganz anders als alle, die sie sich bisher zu Gemüt geführt hatte. Es war viel feiner als die übrigen, und – es duftete ganz wundersam. »Gibt es denn so etwas?«, fragte die Raupe überrascht und vergaß vor lauter Staunen das Fressen. »Kann eins auf dieser Welt auf einmal so schön sein?« Manchmal sagen wir, wenn jemand tüchtig über irgendetwas nachdenkt: »Der spinnt.« Wisst ihr, woher das kommt? Es kommt von den Raupen. Wenn die ordentlich nachdenken, dann spinnen sie wirklich, spinnen einen dünnen, aber ganz kräftigen Faden, und je länger sie spinnen, umso mehr hüllen sie sich in diesen Faden ein. So tat es auch unsere Raupe nun. Sie spann und spann und hüllte sich in einen dünnen Faden. Nach einer Weile sah das Gespinst dann aus wie ein kleines Häuschen, allerdings ohne Fenster und Türen. Darin saß die Raupe und dachte immer noch über das, was sie gesehen hatte, nach. Allerdings wurde ihr Nachdenken über das Wunder, dass eine grüne Pflanze eine so wunderbar farbige und duftende Blüte haben kann, allmählich zu einem Traum. Die Raupe träumte, sie sei selbst eine solche farbige Blüte geworden und würde von der Luft leicht umhergeweht. Während die Raupe schlief und träumte, verwandelte sich das Häuschen, in das sie sich eingesponnen hatte: Es sah auf einmal so aus, als hätte jemand auf seine Wände große zusammengelegte

Flügel gezeichnet. Was das wohl wieder zu bedeuten hatte? Und dann kam der Tag, an dem das gesponnene Raupenhäuschen plötzlich einen Knacks bekam und begann, auseinanderzubrechen. Wenn ihr aber meint, nun hätte die Raupe ausgeträumt und käme heraus, um weiter zu fressen, dann irrt ihr euch ganz gewaltig. Aus dem zerbrochenen Raupenhäuschen kam ein Tier mit großen zusammengelegten Flügeln hervorgekrabbelt. Es öffnete die Flügel und ließ sie von der Sonne trocknen, und da sah es just so aus, als hätte sich dort eine große farbige Blüte entfaltet. Als die Flügel getrocknet waren, breitete das Tierlein sie aus und flog ins Sonnenlicht hinein. Wer war da erschienen? Der Schmetterling. Und der mag gar keine grünen Blätter mehr fressen wie damals, als er noch eine Raupe war. Er gaukelt von Blüte zu Blüte, denn er meint, dass auch diese alle Schmetterlinge seien. »Seid gegrüßt, Schwestern«, ruft er den Blüten zu, »kommt und fliegt mit mir in den Sonnenschein hinein. Es ist so ein wunderbar goldener Tag. Da sollte unsereiner nicht angewurzelt an seinem Platz hocken bleiben.« Ei, wie wundert er sich, dass keine der Blüten mit ihm fliegen mag! Ob sie nicht wissen, wie sie ihre schönen Flügel gebrauchen müssen? Immer wieder und wieder umgaukelt der Schmetterling sie darum und zeigt ihnen seinen schönsten Tanz. »Lasst uns in die Sonne fliegen«, ruft er ihnen dabei zu. Lauft nur und schaut ihm zu! Er wird nicht müde, die Blüten zu rufen, mit ihm zu fliegen.

Merkt ihr, wie sehr er sich verändert hat, seit er keine Raupe mehr ist?«

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Corona

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!…

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!…“
(Phil 4,4)

Freude ist ansteckend. Ganz egal auf welcher Ebene Freude zum Ausdruck kommt, Freude ist einfach ansteckend. Ich meine nicht zwangsläufig die Sorte Freude, die sich durch lautes Gelächter bemerkbar mach; ich meine vor allem auch die, die sich manchmal einstellt und ich weiss gar nicht warum. Die Freude, die innerlich gluckst, mich erhebt, mir den Mut gibt, alles entgegenzunehmen und alles loszulassen.

Die, die mich beschwingt und mir eine Art liebevoller Offenheit gegenüber der Welt schenkt. Die Freude über das, was genauso gut auch ärgerlich sein könnte.

Freude strahlt. Sie strahlt von innen heraus in die Welt, sie strahlt von Mensch zu Mensch. Sie löst auf, was sich verkrampft. Sie richtet auf.

Freude ist Begeisterung. Freude ist nicht bitter, nicht hämisch, sie ist herzhaft, schlicht und befreiend.

Freude verbindet und ermöglicht Begegnung. Aber nicht nur meine Begegnung mit dem anderen, auch die des anderen mit mir. Sie bewirkt Befreiung und Mut. Sie ist großzügig und wohlwollend. Manchmal ist Freude Glückseligkeit und manchmal ist Freude Liebe.

Freude beflügelt das Herz und lässt staunen. Sie lässt träumen, schwärmen und glauben. Sie ist der Grund, auf dem man über sich hinauswachsen kann. Sie verdient einen großen Raum, denn sie ist unverzichtbar. Sie ist nicht wegzudenken. Jeder Mensch braucht Freude in seinem Leben. Die Leichtigkeit des Seins.

Aber Freude ist nicht gegeben. Wir verlieren sie im Laufe unseres Ankommens, ohne es zu wollen. Ganz egal wo wir ankommen und in was wir ankommen: Immer besteht die Gefahr, dass wir dabei die Freude gerade an dem verlieren, mit dem wir umgehen. Und ja, ich weiß: es gibt bestimmt vieles, was sich zu pflegen lohnt. Aber die Freude ist einfach da und doch nicht für mich allein. Freude am Erkennen der Wahrheit, meine Freude am Dasein, sie strahlt aus und feiert Geburtstag. Freude ist ein Geschenk. „… dass eure Freude vollkommen werde!“ (Joh 15,11) – so soll es irgendwann sein. —