Johannes 14, 1 – 31, 10. Mai 2020 in der Übersetzung von Johannes Lauten

Und er wandte sich an seine Jünger und sprach: Nicht schwach soll werden euer Herz. Bauet auf die Kraft, die euch zu dem väterlichen Weltengrunde und die euch zu mir führt. In dem Hause meines Vaters ist Lebensraum für viele. Wäre es nicht so, ich hätte zu euch gesagt, dass ich hingehen will, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingegangen bin und die Stätte für euch bereitet habe, so will ich von neuem zu euch kommen und euch aufnehmen bei mir, damit ihr seid, wo ich bin. Und wohin ich jetzt gehe, meinen Weg, den kennt ihr.

Thomas sprach zu ihm: Herr, wir durchschauen nicht, wohin du gehst; wie sollen wir den Weg wissen? Jesus antwortete ihm: Ich bin der Weg. Ich bin die Wahrheit. Ich bin das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr erfahren hättet die Kraft meines Wesens in euch selbst, so hättet ihr den Vater erkannt. Von nun an erkennt ihr ihn, denn ihr habt ihn mit Augen gesehen.

Da sprach Philippus zu ihm: Herr, lasse uns sichtbar werden den Vater; das wird unserer Seele genügen. Und Jesus sprach zu ihm: So lange Zeit bin ich nun bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater. Wie kannst du sagen: Lasse uns sichtbar werden den Vater? Gründet sich dein Vertrauen nicht in der Tatsache: Ich im Vater – der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch spreche, die spreche ich nicht aus mir selbst; der Vater, unverbrüchlich mir verbunden, vollbringt in ihnen seine Werke. Erhebt euch zu der Gewissheit: Ich im Vater – der Vater in mir. Wenn ihr das nicht vermögt, dann vertrauet den Werken. Amen, die Wahrheit sage ich euch: Wer sich im Vertrauen mit mir verbindet, der wird die Werke auch vollbringen, welche ich tue, und er wird größere Werke vollbringen; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in der Kraft meines Namens, das will ich vollbringen, damit geoffenbart werde das Sein des Vaters in dem Wirken des Sohnes. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich vollbringen.

Wenn ihr mich wahrhaft liebt, so werdet ihr meine Geistesziele in euch bewahren, und ich will den Vater bitten, dass er euch einen neuen Geistesführer sende, der bei euch bleibe durch alle Zeiten: den Geist der Wahrheit. Ihn kann die Welt nicht aufnehmen, denn die Menschen der Erde sehen ihn nicht und erkennen ihn nicht; ihr aber erkennt ihn, denn wer wird bei euch bleiben und in euch wirken. Ich will euch nicht als Waisenkinder zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist jetzt nur noch eine kurze Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber werdet mich schauen, denn ich lebe, und in die Reiche des Lebendigen sollt ihr euch erheben. An jenem Tage werdet ihr erkennen: Ich im Vater – ihr in mir – ich in euch. Wer mich wahrhaft liebt, der wird meine Geistesziele in sich bewahren und sie in seinem Erdenwirken vollbringen. Ihn wird mein Vater aufnehmen in seine Liebe, und auch ich will ihn lieben und in ihm wohnen als eine Lichtgestalt.

Da sprach Judas, nicht der Iskariot, zu ihm: Herr, was ist geschehen, dass du dich uns offenbaren willst in deiner Lichtgestalt und nicht den Erdenmenschen? Da antwortete Jesus und sprach zu ihm: Wer mich wahrhaft liebt, offenbaret meinen Geist, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm zubereiten eine Stätte des ewigen Überdauerns. Wer mich nicht liebt, kann auch mein Wort nicht in sich bewahren, denn das Wort, das ihr vernehmt, ist nicht aus mir; es geht hervor aus dem Vater, der mich gesandt hat. Dies habe ich zu euch geredet, während ich noch bei euch gewesen bin. Der Tröster aber, der heilig reine Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, er wird euch alles lehren, dessen ihr bedürft, und er wird in eurem Innern erwecken alles, was ich jemals zu euch geredet habe.

Frieden schenke ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Und ich gebe euch meinen Frieden nicht, wie die Welt etwas schenkt. Nicht schwach soll werden euer Herz und nicht furchtsam. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sprach: Nun gehe ich dahin, und ich komme zu euch. Würdet ihr mich wahrhaft lieben, so würdet ihr frohlocken, dass ich sagte: Ich gehe zum Vater. Denn der Vatergott ist grösser, als ich bin. Und nun habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit, wenn es dann geschehen wird, ihr von ganzem Herzen glauben möget. Es ist nicht mehr vieles, was ich jetzt noch mit euch reden werde; denn es naht der widerrechtliche Fürst dieser Welt; doch an meinem Wesen hat er keinen Anteil, und er hat keinen Anspruch an mich. Die Welt soll durchschauen, wie ich den Vater liebe und wie ich handle im Sinne des väterlichen Weltengrundes. So ist es mir auferlegt. Tuet solches desgleichen, dann können wir ruhig diesen Ort verlassen.