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Geschichte für den zweiten Ostersonntag

von Georg Dreißig

Vom Kind, das ging, Hilfe zu holen

Eines Tages ist die Großmutter auf einmal blind geworden. Sie konnte das Sonnenlicht nicht mehr sehen und sich nicht mehr allein zurechtfinden. Da hat das Kind bei sich gedacht. »Ich will gehen und schauen, ob ich für die Großmutter irgendwo Hilfe finden kann.« Kurz entschlossen zog es Stiefel und Mäntelchen an und griff nach dem Hütchen. Es kam zur Weide. »Wo gehst du hin, Kind?«, fragte das Lämmlein. »»Die Großmutter kann das Sonnenlicht nicht mehr sehen «, erwiderte das Kind. »Ich gehe, um ihr Hilfe zu holen.« – »Dann suche auch Hilfe für mich«, bat da das Lämmlein. »Ich habe mich am Bein gestoßen, dass ich gar nicht mehr springen kann.« – »Ich will schon Hilfe für dich finden«, versicherte das Kind und ging weiter.

So kam es zum Fluss. »Wo gehst du hin, Kind?«, seufzte es ihm aus dem Wasser entgegen. »Die Großmutter kann das Sonnenlicht nicht mehr sehen, und das Lämmlein kann nicht mehr springen«, erwiderte das Kind. »Ich gehe, um ihnen Hilfe zu holen.« – »Dann suche auch Hilfe für mich«, bat da der Fluss, »denn mein Wasser ist ganz trübe geworden und mag gar nicht mehr lustig rauschen.« –

»Ich will schon Hilfe für dich finden«, versicherte das Kind und ging weiter.

Endlich kam es an einen Berg, und als es näher trat, bemerkte es im glatten Gestein ein offenes Türchen, aus dem es milde hervorleuchtete. »Hier will ich Hilfe suchen«, sprach das Kind da zu sich und trat in den Berg ein. Es musste viele Stufen hinuntersteigen, aber es war ihm nicht unheimlich, denn um es her leuchtete das milde Licht, und ein zarter Glockenklang war aus der Tiefe zu hören. Der schien das Kind zu rufen.

Auf dem Grund des Berges sah das Kind einen Jüngling in einem weißen Gewand sitzen, und

neben dem Jüngling sprudelte eine Quelle aus dem Erdengrund, die klang wie eine Glocke.

»Ich weiß, was du suchst«, sagte der Jüngling. »Du suchst Hilfe für deine Großmutter, die das Sonnenlicht nicht mehr sehen kann, und für das Lämmlein, das nicht mehr springen kann, und für den Fluss, dessen Wasser nicht mehr lustig rauschen mag. Schöpfe mit deinen Händen aus der Quelle, die wie eine Glocke tönt, und gib von dem Wasser jedem, der dich um Hilfe gebeten hat, ein Tröpflein, so werden sie Heilung finden.«

Da dankte das Kind dem Jüngling, schöpfte Wasser aus der Quelle, und dann eilte es die vielen, vielen Stufen wieder hinauf ans Tageslicht. Vorsichtig trug es das Wasser zurück.

Als das Kind zum Fluss kam, gab es ihm ein Tröpfchen aus der Quelle. Da begann das Wasser wieder lustig zu rauschen.

Als das Kind zur Weide kam, gab es dem Lämmlein ein Tröpfchen. Da konnte das Lämmlein wieder fröhlich über die Weide springen.

Als es nach Hause kam, ging es zur Großmutter hinein und träufelte in jedes ihrer Augen ein Tröpfchen von dem Wasser aus der Quelle, die wie eine Glocke klingt. Da konnte die alte Frau das Sonnenlicht wiedersehen und dankte Gott.

Das Kind aber hat sich den Weg zu dem Jüngling, der neben der Quelle auf dem Grund des Berges sitzt, gut gemerkt und bei ihm Wasser geholt, wenn immer eins in Not war und Hilfe brauchte.

***

Anregung zur Geschichte:

Malt uns doch zu dieser Geschichte ein paar schöne Bilder: von der Großmutter, dem Lämmlein und dem Fluss, oder auch der Quelle mit dem Jüngling. Ich würde mich freuen, wenn ich in der nächsten Woche damit die Sonntagsgabe schmücken könnte.

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Im Anschauen der Wunde – kleine Besinnung

Halte still, du Wandersmann,
und sieh dir meine Wunden an.
Die Wunden steh’n.
Die Stunden geh’n.
Nimm dich in Acht und hüte dich,
was ich am Jüngsten Tage über dich
für ein Urteil sprich.

(Autor Unbekannt)

Wir haben alle Wunden – kleine, große und solche, von denen wir lange nichts wissen, weil sie uns nicht bewusst sind. Verwundet sein ist alltäglich. Es macht uns menschlich. Und weil wir alle verletzbar sind, gehört die Wunde zu unserem Menschsein schlechthin. Sie verbindet uns, wenn wir fragen „wie geht es Dir?“. Und – sie verbindet uns in unserer Sehnsucht nach Heilung.

In Zeiten von Krankheit und anderen Krisen stellen wir uns diesen Wunden und dieser Sehnsucht in einer ganz besonderen Tiefe. Fragen, die vorher kaum hörbar waren, brauchen nun Raum. Sie sind kostbar, weil sie die Lebendigkeit unserer Seele spiegeln, die sich nun auf den Weg macht. In unseren modernen Zeiten von Freiheit und Selbstverwirklichung, denen nicht selten dramatische Brüche gewohnter und geborgener Lebenszusammenhänge vorausgehen, brauchen wir Halt in uns selbst. Dieser Blick nach innen ist oft schmerzhaft, weil er auch an das erinnert, was schwer war.

Die eigene Geschichte hat uns zu dem gemacht, der wir sind und der von dem, der werden will, noch nichts weiß. Doch im Strudel des „woher?“ und „wohin?“ erkennen wir uns selbst.

Wohin haben die Jünger an diesem Abend geschaut und woher kam der Auferstandene?

Das Evangelium spricht in dem kurzen ersten Absatz von einem enormen Verwandlungsprozess. Stellen Sie sich vor, ganz so, wie Sie es heute können, wie die Jünger zusammen sind, stehend, sitzend, in einem geschlossenen Raum, in Furcht vor «den anderen» und in Trauerschmerz. Und da hinein erscheint der Auferstandene, an diesem Ort der Verzweiflung, im Inneren. Und seine Botschaft lautet als erstes: Der Friede sei mit euch. Doch nur durch das Zeigen der Wunden, vermögen sie ihn zu erkennen und ihre Trauer verwandelt sich in Freude.

Was ist das Geheimnis der Wunde an Ihm, an uns und an unserem Gegenüber? Was ist Wunde überhaupt? Und was wäre der Mensch ohne Wunde?

„Zeige deine Wunde, weil man die Krankheit offenbaren muss, die man heilen will.“ (Joseph Beuys)

Ist das so, dass die Krankheit offenbar werden muss, damit sie geheilt werden kann und wie stellen sich dann die Jünger ins Verhältnis zu Jesus, der ihnen seine Wunden offenbart? Was hat Er geoffenbart?

Er sagt zu ihnen (Joh. 15, 15): Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe.

Wie verbindet sich die Krankheit, die Wunde, das Leid, mit meinen Mitmenschen? Wo kann ich Wunden offenbaren, damit sie heilen, wenn nicht gegenüber meinen Freunden? Ich benötige meine Mitmenschen zur Heilung und trage Mitverantwortung für die Heilung meiner Mitmenschen.

Das ist der Raum, in den Christus eingetreten ist. Er offenbart seine Wunden und im Anschauen der Wunden erkennen die Jünger, nunmehr Freunde, ihre eigenen Wunden. Denn im Anschauen Seiner Wunden, erkennen wir uns selbst.

Damit haben wir immer wieder die Möglichkeit, uns selbst anzuerkennen als ein Verwundeter und dadurch eine Verbundenheit mit Christus zu wissen. Aber auch eine Verbundenheit mit allen Menschen zu teilen. Und wenn es so ist, dass wir zusammenstehen in der Strömung der Menschheit und wir als Menschen verwundet und verbunden sind, so kann die offenbarte Krankheit, also die uns als Menschen eigene, durch unser persönliches Handeln geheilt werden und damit zur Heilung der Menschheit beitragen. Und dies nur, weil wir durch die Wunde mit Christus und der Welt verbunden sind.

Wunden der Seele sind die Organe, durch die Heilung in uns einziehen kann. Mögen sie von der Hand eines unerbittlichen Schicksals geschlagen sein, mögen sie andere Menschen uns zugefügt haben, mögen schliesslich wir selbst uns die allertiefsten gerissen haben – sie sind die offenen Tore der Seele –

durch sie findet uns die Liebe, die heilt, indem sie die Wunde zum Auge wandelt und das Geschwür zum Ohr umbildet – für eine höhere Welt.

Toren sind die Menschen, die versuchen, sich ihrer Wunden zu entledigen, indem sie sie oberflächlich zuwachsen lassen. Denn in der Tiefe schwärt das Unglück nur weiter – und bei dem geringsten Anlass zerbricht der Schorf und das Unheil ist grösser als jemals zuvor.

Offene Wunden – zu Liebesorganen gewandelt – ewig trägt sie der Auferstandene an seinem Leibe, und sie sind der Quellort des ewigen Heiles für die Welt, Erde und Mensch. (Friedrich Benesch)

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Thomas

Johannes 20, 19 – 29, 19. April 2020 in der Übersetzung von Johannes Lauten

Als es nun spät geworden war an diesem ersten Tage nach dem Sabbat und die Türen zu den Jüngern verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat in ihre Mitte und sprach zu ihnen: Der Friede sei mit euch. Und indem er so sprach, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Freude durchpulste die Jünger, dass sie den Herrn schauten.

Und zum zweiten Mal sprach Jesus zu ihnen: Der Friede sei mit euch. Wie der Vater mich gesandt hat, so entsende ich nun euch. Mit diesen Worten blies er ihnen seinen Atem ein und sprach zu ihnen:

Nehmet auf den Hauch des Heiligen Geistes. Wenn ihr den Menschen die Last der Verfehlungen abnehmt, so soll sie von ihnen genommen sein; werdet ihr ihnen die Kraft geben, sie selbst zu tragen, so soll ihnen diese Kraft erwachsen.

Thomas, einer von den Zwölfen, welcher der Zwilling genannt wurde, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. So sprachen die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn geschaut. Er antwortete ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen das Prägemal der Nägel sehe und lege meinen Finger auf die Nagelstelle und meine Hand in seine Seite, so will ich es nicht als Wahrheit in mich aufnehmen. Nach acht Tagen waren seine Jünger wieder im inneren Raume beieinander, und Thomas war bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sprach: Der Friede sei mit euch. Darauf sprach er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände. Und reiche deine Hand und lege sie in meine Seite und werde nicht ungläubig, sondern vertraue dem, was du sahest. Da antwortete Thomas und sprach zu ihm: Du bist es: mein Herr und mein Gott. Jesus sprach zu ihm: Da du mich geschaut hast, hast du Vertrauen gefasst? Wahrhaft groß sind die, die zur inneren Kraft des Vertrauens kommen, auch wenn ihr Auge nicht sieht.

Thomas von Ernst Barlach
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Georg Dreißig

Als ich ihn anfragte, ob ich die kleinen Geschichten für die Kinder veröffentlichen dürfe, war er noch so gerne damit einverstanden und hat mir und auch anderen Gemeinden viele seiner Texte zur Verfügung gestellt. Damit alle ein wenig wissen, wer er ist, erhalten Sie seinen kurzen Lebenslauf:

Georg Dreißig, geboren 1950, studierte zunächst Medizin, bevor er sich entschloss, Priester der Christengemeinschaft zu werden. 1977 empfing er die Priesterweihe. Nach dreijähriger Gemeindetätigkeit in Johannesburg/Südafrika wurde er 1980 nach Stuttgart entsandt, wo er neben den Aufgaben eines Gemeindepfarrers bis 2012 die Redaktion der Zeitschrift Die Christengemeinschaft versah. Seit 1988 war er als Dozent am Priesterseminar Stuttgart tätig und gehörte von 2006 bis 2019 der Seminarleitung an. Anfang des Jahres 2020 wurde er emeritiert. Er hat fünf erwachsene Söhne und lebt als Witwer in Stuttgart.

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Geschichte für den Ostersonntag

von Georg Dreißig

Die singende Quelle

In einem fernen Land lebte eine Königstochter, die war reich und mächtig und schön von Gestalt. Doch ihre Augensterne waren stumpf und ohne Glanz. Die schöne Königstochter war blind. Viele Ärzte hatten ihre Eltern kommen lassen, und die hatten ihre Kunst an dem Mädchen probiert, doch all ihre Bemühungen waren ohne Erfolg geblieben. Da kam ein junger Kaufmann zurück, der in fremden Ländern gereist war, und begehrte, ohne Säumen zum König geführt zu werden, und als er sagte, er habe Hoffnung, wie die Königstochter von ihrer Blindheit geheilt werden könnte, ließen die Wachen ihn eintreten.

Er erzählte, im Land Judäa ziehe ein Meister umher, der alle Krankheiten zu heilen verstehe. Da bat die blinde Königstochter, sie zu diesem Heiland zu führen. Schon am nächsten Tag brachen die beiden auf. Die Fahrt war weit, mussten sie doch das Meer überqueren. Doch die Winde standen günstig und trieben das Schiff munter voran. Als sie im Lande Judäa angelangt waren, erkundigten sie, wo der Heiland gefunden werden könnte. Die Leute erwiderten: »Sucht ihn in Jerusalem. Doch müsst ihr eilen. Sonst findet ihr ihn nicht mehr.«

Sie wollten sich gleich auf den Weg machen. Doch ein hoher Festtag, der in jenem Land begangen wurde, verbot, dass sie weiterreisten, und so mussten sie warten.

Doch noch ehe die Sonne aufgegangen war, erwachten sie und brachen zu der nahegelegenen Stadt auf. Auf ihrem Weg begegneten sie einem Mann, den sie nach dem Heiland fragten. Er führte sie zu einem Hügel, auf dessen Spitze der junge Kaufmann drei Kreuz erkennen konnte. Der Mann rief wehklagend: »Dort ist der Heiland, den ihr sucht, vor drei Tagen gestorben.« Und weinend lief er davon.

Die blinde Königstochter aber sagte nur: »Nein, der, den wir suchen, ist nicht tot. Er lebt und wird mich heilen.«

Eben ging die Sonne auf. Als ihre Strahlen die Erde berührten, begann es auf einmal ganz in der Nähe zu klingen wie von jubelndem Freudengesang.

Da flüsterte die Königstochter leise: »Lass uns diesem Ruf folgen!«

Aus einem Garten, der am Fuß des Kreuzhügels lag, tönte das Klingen. Als sie dort eintraten, erschrak der Kaufmann, denn es gähnte darin ein offenes Grab. Unter dem großen Stein, der den Eingang des Grabes verschlossen hatte, sprudelte glitzernd eine Quelle hervor. Von der kam der jubelnde Freudengesang, der sie hierhergeführt hatte. Zum Wasser jener Quelle beugte die Blinde sich hinab und wusch sich damit die Augen.

Und als sie sich wieder aufrichtete, waren ihre Augensterne nicht mehr stumpf, sondern leuchteten hell, und die Königstochter konnte sehen. Froh wies sie auf das offene Grab und sagte: »Dort hat er geruht, und dort hat er den Tod besiegt. Noch sind die, die ihn kannten, blind dafür. Bald aber werden auch sie ihn schauen.«

Von ihrer Blindheit geheilt, reiste die Königstochter heim in ihr Land. Dort verbreitete sie die Kunde von dem Heiland, der gestorben war und im Grab die ganze Welt vom Tod erlöst hatte, und sie erzählte allen Menschen von dem singenden Quell, in dem der Heiland sein Leben aller Welt zuströmen lässt.

***

Anregung zur Geschichte:

Das kleine Gänseblümchen, was wir zur Zeit auf allen Wiesen entdecken können, vermag ein bisschen wie die Augensterne der Königstochter aus dem grünen Gras hervorleuchten. Außerdem ist es gut für wunde oder trockene Haut.

So kann man ein Gänseblümchen-Öl herstellen:

1 Hand voll Gänseblümchen pflücken, waschen und sehr gut trocken tupfen. Dann gibt man sie in ein sauberes Marmeladenglas und übergießt sie mit 250 ml Öl (am besten Olivenöl). Danach sollte das Öl bis zu 4 Wochen ziehen und ab und zu durchgeschüttelt werden. Nach der Wartezeit, siebt man das Öl gründlich ab und füllt es in eine saubere Flasche.

Das Gänseblümchen-Öl ist nun fertig und kann auch am Salat dem einen oder anderen sehr gut schmecken.

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Dem Auferstandenen begegnen

von Georg Dreißig

Auferstehung – das ist zunächst ein Schlagwort, gewiss. Wir wollen es heute probeweise einmal ein »Herzschlag-Wort« nennen und entsprechend versuchen, es mit dem Herzen zu verstehen. Was sagt uns denn das schlagende Herz? Es sagt: Was mir aus der Welt zuströmt, das nehme ich in mich auf, das »nehme ich mir zu Herzen«, das verschließe ich in mir, das mache ich mir zu eigen. Und dann: Was ich mir zu eigen gemacht habe, was mein eigen geworden ist, meine Herzensangelegenheit, was ich mit meinem Eigenwesen nicht nur für eine Zeit verbunden, sondern damit auch angereichert habe, mit meinem Leben erfüllt habe, das gebe ich wieder von mir, das verströme ich. Das trägt auch noch viel Totes in sich, aber darüber hinaus – wer weiß, ob nur im übertragenen Sinn – meine Innerlichkeit, meine Herzlichkeit, Tod und Leben, wie sie meine Seele durchziehen, in meinem Wesen vorhanden sind. Auferstehung – ein Herzschlag-Wort:

Ein Herz beginnt ganz neu für die Bedingungen von Menschheit und Erde zu schlagen, Leben zu verströmen, als Christus ins Grab gelegt wird. Weltengroß war das Christuswesen noch, als es, den Erdenmenschen noch weit überstrahlend, in der Taufe begann, sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth zu verbinden. Vielerlei Wunderbares wird uns berichtet aus dem, was in jener Aura, die den Jesus umhüllte, erfahren werden konnte an Wundern, an Heilungen, angefangen mit dem Sonnenwunder-Wirken bei der Hochzeit zu Kana, als sich Wasser in Wein verwandelte. Wer ihm nahte, der trat in eine Lebensatmosphäre ein, die weit über Jesu Gestalt hinausragte und nicht von den rein irdischen, sondern von Gesetzen einer Sonnenwirksamkeit erfüllt war, von Gesetzen, die Kraft hatten, das Irdisch-Beschränkte zu verwandeln oder gar aufzuheben Aber sein Herz trank; das Herz des Jesus von Nazareth trank in drei Erdenjahren das kosmisch große Christuswesen ganz in sich hinein und teilte es seinem Menschenleibeswesen mit. Das göttliche Christuswesen wurde zum Menschen Jesus, der sich den Erdengesetzen unterordnete. Nicht um Sonnenwirksamkeit auf Erden geht es da, sondern um Erfüllung, Erfüllung der Prophetenworte, Erfüllung des Heilsplanes, Erfüllung des Menschenherzen. Das Menschenherz nimmt das göttliche Wesen in sich hinein, ganz in sich hinein, macht es sich zu eigen. Mensch ist der, den sie am Karfreitag nehmen, verurteilen und ans Kreuz schlagen, aber ein Mensch, dessen Herz erfüllt ist von dem göttlichen Wesen, und das findet in dem herzlichen Tun des Jesus von Nazareth seinen Ausdruck. Es äußert sich aber in ganz irdisch-menschlichen Dimensionen. Ein kleines Stück Brot, ein winziger Schluck Wein waren am Abend zuvor zum Zeichen für die Anwesenheit seines Wesens geworden – Nahrung gerade in dem Maß, in der ein jeder sie im Augenblick wirklich in sich aufnehmen, sie sich wirklich zu eigen machen kann –; die Kraft, aus der er hier handelt, ist keine götttlich-exklusive Zaubermacht mehr, sondern schlicht – die Liebe, derer er auch uns alle für fähig erachtet. Menschliches Tun und göttliches Wesen durchdringen einander; das Göttliche erfüllt das Menschliche. Und noch weiter beschränkt sich die Ausstrahlung des Mensch gewordenen Gottes, noch weiter verzichtet er auf alle Eigenheit, auf alles aus höherer Fähigkeit Selbstbewirkende. Am Kreuz werden ihm die Arme ausgebreitet, um ihn so an das Holz zu nageln – sinnlicher Ausdruck für seine ganze Hilflosigkeit. Und er gibt sich darein. Er lässt es geschehen. Er lässt sich diese Gebärde von außen diktieren. Zugleich aber verwandelt sich das Erfahrene, das Aufgenommene, das ihm Aufgezwungene im Herzen des Jesus von Nazareth; die ihm aufgenötigte Gebärde erfüllt er mit eigener Bedeutung, indem er sie zum Ausdruck seiner Liebe macht. Das hat Christian Morgenstern erkannt, als er dichtete:

»Ich habe den Menschen geseh’n in seiner tiefsten Gestalt, ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.

Ich weiß, dass Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn, und dass ich da, um immer mehr zu lieben, bin.

Ich breite die Arme aus, wie er getan. Ich möchte die ganze Welt, wie er, umfahn.«

Der Gott ist Mensch geworden; er trägt und erträgt, was ihm angetan wird – und indem er es zur eigenen Herzensangelegenheit macht, erfüllt und verwandelt er es zugleich mit seinem eigenen Wesen. Er entsündigt, entgiftet es, löscht das Ertötende, das darin wirkt, und begabt es mit neuem Lebenselement. Dann öffnet sich das göttliche Herz – das Grab springt auf –, und alles strömt hervor, was das göttliche Herz aufgenommen hat – all das Leid, all der Schmerz, all die Schlechtigkeit der Menschen, all ihre Not und ihre Krankheit, ihre Angst und ihre Sorge, all ihr Ringen und Verzweifeln dem Tod gegenüber, dem An-ein-Ende-Kommen. Und siehe da, sein Wesen, das sich damit verbunden, das all das durchdrungen hat, es lebt darin und kann darin erlebt und zum Quellort für neues Leben werden. Der Ort, wo wir dem Auferstandenen begegnen, ist kein anderer Ort als der, auf den wir während der Karwoche hingeschaut haben, dort, wo wir an unserem Menschsein leiden, Schmerzen empfinden, mit unserer Schlechtigkeit ringen, Not und Krankheit, Angst und Sorge erfahren und angesichts des Todes verzweifeln. Dort begegnet ihm unser Herz, denn er hat, als er ein Menschenherz erfüllte, all dieses in sich aufgenommen, sich damit identifiziert. Er erfüllt es fortan mit seinem Wesen. Das haben zahllose Menschen bis in unser Jahrhundert hinein erfahren und bezeugt, angefangen bei den Emmaus-Jüngern, denen das Herz brannte, Franziskus so klar wie Viktor Frankl oder Jacques Lusseyran, Simone Weil oder wie sie alle heißen mögen. Dafür sind auch wir als Zeugen bestellt. Wir können es erfahren, wenn wir wach genug sind, im Leid, in der Angst, im Sterben auf seinen Herzschlag zu lauschen. Eines nur tut dazu Not: das eigene Herz nicht zu verhärten, nicht sklerotisch werden zu lassen. »Er tadelte sie und ihres Herzens Härtigkeit, das kalt geblieben war bei den Worten derer, die ihn geschaut hatten auferstanden«, heißt es bei Markus. Auferstehung – ein Herzschlag-Wort. Unser Herz kann uns lehren, ihm gerecht zu werden: aufnehmend, was uns aus der Welt zuströmt – auch die Not, auch die Angst, auch das Sterben –, uns leidend und mitleidend zu eigen zu machen, um es dann um unsere eigene Herzenskraft bereichert hinzugeben an die Welt – alles, was uns geschieht, was wir in uns hineingenommen haben, zum Ausdruck unserer Liebe verwandelnd. So kann auch die Einsicht, ja die Erkenntnis wachsen, dass unsere Herzenskraft , unsere Liebe uns befähigt, letztlich die ganze Welt zum Guten hin zu verwandeln. Für die Menschen und für die Erde und für das Gute darin beginnt das Herz des Auferstandenen im Ostergrab neu zu schlagen, dafür kann unser Herz in jeder Sterbestunde neu zu schlagen beginnen, teilhabend in seinem Leben und in seiner Kraft am Leben und an der Kraft des Auferstandenen.

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Das leere Grab

Markus 16, 1 – 18, 12. April 2020 in der Übersetzung von Johannes Lauten

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und die Maria des Jakobus und Salome Balsam und gingen zum Grabe, um ihn zu salben. Und in der ersten Morgenfrühe des ersten Tages der Woche kamen sie zu dem Grabe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein vom Eingang zum Grabe nehmen? Und sie schauten auf und sahen, dass der Stein schon zur Seite gerollte war; und der Stein war sehr groß. Und da sie in die Grabeskammer eintragen, sahen sie zur Rechten einen Jüngling in leuchtend weißem Gewand sitzen. Ein großer Schrecken durchzuckte sie, und ihre Seelen waren wie entrückt. Doch der Jüngling sprach zu ihnen: Bleibet hier! Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Eri ist auferstanden! Er ist nicht hier! Seht den Ort, wohin sie seinen Leib gelegt hatten. Ihr aber geht zu seinen Jüngern und auch zu Petrus und sagt ihnen: Er geht euch voran nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen; denn so hat er es euch gesagt.

Und sie kamen heraus und flohen von dem Grabe, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sprachen mit niemandem, denn sie fürchteten sich.

Als er auferstanden war am ersten Tag nach dem Sabbat, erschien er zuerst Maria aus Magdala, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie machte sich auf den Weg und brachte die Kunde denen, die mit ihm gewesen waren, die nun klagten und weinten. Als sie hörten, er lebe und sei von ihr geschaut worden, glaubten sie es nicht. Danach erschien er zweien von ihnen in einer anderen Gestalt, als sie unterwegs über Land waren. Auch diese gingen und brachten die Botschaft den Übrigen, doch auch zu ihnen hatten sie kein Vertrauen.

Später, als sie zusammensaßen, erschien er den Elfen und tadelte ihren Unglauben und die Verhärtung ihrer Herzen, dass die denen nicht geglaubt hatten, die ihn geschaut hatten. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt und verkündet das Gotteswort der ganzen Schöpfung. Wer vertrauen fasste und die Taufe empfing, wird gerettet werden. Wer ungläubig bleibt, wird der Verurteilung verfallen.

Geisteszeichen werden diejenigen begleiten, welche die Glaubenskraft im Herzen tragen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben. In neuen Sprachen werden sie sprechen. Mit ihren Händen werden sie Schlangen aufrichten. Wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Den Kranken werden sie die Hände auflegen, und es wird hilfreich sein.

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Palmsonntag: Einzug der Sonne

von Georg Dreißig

Es gibt Ereignisse in der Geschichte der Menschheit, auf die wir zurückblicken können und von denen wir doch zugleich den Eindruck haben, dass sie nicht vergangen sind. Das, was geschehen ist, hat sich noch nicht ganz erfüllt, etwas wartet noch darauf, sich zu erfüllen. – So geht es uns auch im Hinblick auf die Karwochen Ereignisse, denen wir uns jedes Jahr aufs Neue zuwenden mit dem Gefühl, dass dieses immer wieder neu in Beziehung treten zu dem, was damals geschehen ist, etwas bewirkt, das so bisher noch nicht bewirkt werden konnte, dass das, was damals geschehen ist, in unserem heutigen Bewusstsein neu geschehen muss und dadurch unser heutiges Bewusstsein verändern, bereichern kann. Die Passion Christi ist nicht etwas, das der Vergangenheit allein angehört, sondern das gegenwärtig wirken will. Dies gilt natürlich nicht für die äußeren Vorgänge, die damals beobachtet werden konnten und an die wir uns heute erinnern können. Was uns selbst betrifft, muss auf einer anderen Ebene gesucht werden als derjenigen, die den Sinnen offenliegt und von der allein Zeitgenossen berichten können. Wo geschieht in der Passion Christi etwas, das uns so betrifft wie die damals beteiligten Menschen? Wo geschieht in der Passion Christi etwas, das uns bis heute zu Beteiligten daran macht?

Wir wollen zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung einen Begriff nehmen, unter den Emil Bock in seinem Buch »Die drei Jahre« die Ereignisse der Karwoche stellt, den Begriff der »Stillen Woche«. Von den Ereignissen selbst lässt sich diese Bezeichnung ja nicht ohne weiteres ableiten. Äußerlich war die Karwoche im Christusleben durchaus nicht stiller als andere Zeiten; im Gegenteil. Man kann wohl sagen: Das Ganze des Christuslebens hat sich in der Stille, in einem unbeobachteten Winkel der Weltgeschichte abgespielt, hat keinen Lärm erzeugt, keine Aufregung hervorgerufen. Still ist es geschehen, still ist es vorübergegangen. Die Historiker der damaligen Zeit haben es nicht als etwas Besonderes zur Kenntnis genommen. So unscheinbar, so still ist es verlaufen, dass man heute sogar daran zweifeln kann, ob es denn wirklich geschehen ist. So betrachtet könnte die Stille zwar als Charakteristikum für das Ganze des Christuslebens gelten. Es wäre aber nicht einzusehen, warum eine einzelne Woche – und gerade die, in welcher Christus so sehr vor die Öffentlichkeit tritt wie sonst eben nicht – als »still« gegenüber den anderen besonders bezeichnet werden sollte. Ist es nicht ein äußeres Charakteristikum dieser Woche, dass sie still gewesen wäre, so sind wir genötigt, den Bereich der Stille anderswo zu suchen als unmittelbar in den von den Evangelisten geschilderten Ereignissen, wie sie äußerlich vor unsere Sinne hintreten. Wir müssen aber noch ein weiteres leisten: nämlich aufmerksam werden für den Charakter, für die Dynamik der Stille, in die wir an den verschiedenen Tagen geführt werden. Es ist ja eine ganz andere Art von Stille, die am Abend des Palmsonntages eintritt, weil der Jubel plötzlich wieder verhallt ist, als jene, die sich auf den Jüngerkreis niedersenkt, als am Gründonnerstag zum ersten Mal in das schweigende Lauschen die Einsetzungsworte gesprochen werden und das Abendmahl ausgeteilt wird. Und wiederum eine ganz andere Art der Stille beherrscht den Karsamstag, umgibt die Totenruhe des Christus. Wonach wir damit fragen, ist ein Sinn für die jeweilige Dynamik der Stille, mit der wir es an den verschiedenen Tagen zu tun haben. Diesen Sinn können wir durchaus entwickeln und haben es mindestens anfänglich bereits getan. Machen wir uns diese Tatsache an ein paar Beispielen deutlich.

  1. Wir kennen die Stille vor Sonnenaufgang. Welche innere Dynamik erfüllt sie? Nun, es ist eine erwartungsvolle, andächtige, innerlich aber auch jubelbereite Stille, die sich erfüllt, wenn die Sonne aufgeht, um dann in Jubel zu antworten.
  2. Wir kennen daneben aber auch die Stille der Nacht, die waltet unter dem gestirnten Himmel. Auch sie ist äußerlich ein Schweigen wie dasjenige in Erwartung des Sonnenaufgangs. Aber innerlich ist diese Stille von einer ganz anderen Art. Nicht ein noch verhaltener Jubel lebt in ihr, sondern die Bereitschaft, einzutauchen in das Schweigen der Nacht mit Andacht und Bewunderung, in ihm zu verharren, die Seele zu weiten. Jubel-erfüllte Stille, andächtige Stille – Stille Erfahrungen, die eine ganz unterschiedliche innere Dynamik haben, die einander verwandt und deutlich voneinander unterschieden sind.
  3. Wiederum eine ganz andere Art der Stille erleben wir, wenn wir an die Bahre eines Verstorbenen treten: Was bisher gesprochen hat, ist verstummt, lebt fort nur in der Erinnerung. Die Stille selbst wird zum Raum und zum Träger dieser Erinnerung.
  4. Wieder eine ganz andere Art der Stille ist etwa diejenige, die auf eine aufgeworfene Frage folgen mag, die erwartungsvolle, fragende Stille, ehe die Antwort ertönt. Stille, welche Antwort tragen kann und möglich macht.
  5. Aber wir kennen auch die Stille, die sich lastend auf uns legen kann, wenn eine Gefahr droht, das ängstliche Schweigen vor dem Unbekannten. Stille, in der die Angst wohnt, Beklemmung. Für Kinder ist dies etwa die knisternde Stille vor dem Ausbruch eines Gewitters. Die Älteren tragen ganz andere Erinnerungen der lastenden Stille, bevor sich das Unglück entlädt, in der Erinnerung.
  6. Wiederum eine andere Art der Stille ist jene, die gewahrt wird, um ein Erhabenes nicht zu entheiligen, das Schweigen vor der Größe eines Geschehens. Die Stille ist der Raum, in dem es sich offenbaren kann. Denken wir an die Stille der Menschenweihehandlung.
  7. Und schließlich kann die Stille auch der Zustand sein, ehe etwas geschieht, das Ungesagte, Ungetane, das Offenbarwerden der reinen Möglichkeit. Die Ruhe etwa, ehe ein Konzert beginnt, ehe sich der Vorhang zu einem Schauspiel hebt, die Ruhe, ehe das Glöckchen den Beginn der Menschenweihehandlung verkündet. Auch dies, und vielleicht vor allem dies, ist Stille: die spürbare Anwesenheit dessen, was erst noch werden will.

Was im Stillen geschah in jener Woche, in der Christus in Jerusalem auf den Tod zuging und durch den Tod hindurchschritt, wollen wir in seinen Qualitäten aufsuchen, und in dieser möglichst differenzierten Wahrnehmung der Stille soll sein Wesen, sein Wirken uns nahekommen als solchen, die seine Passion nicht nur erinnern, sondern von ihr genauso betroffen sind wie die Menschen, die Zeugen der äußeren Ereignisse wurden.

Nach dieser längeren Einstimmung auf die Art, wie wir unsere Aufmerksamkeit in dieser Karwoche einmal lenken wollen, soll nun noch ein erster Blick in dieser Weise auf den Palmsonntag versucht sein. * Wie der Sonnenaufgang Jubel weckt bei denen, die wach sind, ihn zu bemerken, so erweckte der Einzug des Christus in Jerusalem Jubel, als seien die Menschen erst jetzt, nachdem er schon drei Jahre auf Erden weilte, für die Anwesenheit seines Wesens erwacht. Er, dem sonst in Judäa immer wieder Misstrauen, Widerwillen, Hass entgegenschlug, er wird in der Tempelstadt selbst jubelnd empfangen, als erfüllten sich mit seinem Kommen heimliche Wünsche, heimliche Hoffnungen der Menschen.

Christus begegnet diesem Jubel mit Schweigen. Er zieht durch das jubelnde Volk, als beträfe ihn der Lärm der Freude, der ihm entgegenbrandet, nicht. Und doch ist er es ja, der Jerusalem aufsucht, der die Menschen aufsucht, der ihnen das sprechende Bild seines eigenen Wesens – des auf dem Esel Reitenden – vor die Sinne stellt. Er selbst bewirkt, was geschieht – und geht zugleich durch das Geschehen, als ob es ihn nicht beträfe. Ein Rätsel. Ein Rätsel, das sich immer stellt, wenn die Sonne aufgeht, wenn die Sonne Einzug hält in die Welt der Erscheinungen, in unsere Sinneswelt. Immer ist da, wenn sie nicht hinter Wolken verborgen ist, der äußere Glanz ihres Wesens, der alles verklärt, der sich allem mitteilt und es aufglänzen lässt – und der sich auch schnell wieder verliert, dahin ist, sobald die Sonne selbst sinken muss. Aber zusammen mit dem äußeren Erscheinen, dem äußeren Erglänzen der Sonne geht eine andere, verborgenere Wirkung einher: dass die Sonne durchaus nicht nur das Äußere der Welt, das äußere ihrer Wesen beleuchtet, beglänzt, sondern dass sich ihre Wirkung in viel tiefere Schichten, in viel innerlichere Bereiche erstreckt. Das Licht der Sonne schenkt sich den Dingen und den Wesen der Welt von außen. Nicht von außen schenkt sich ihnen etwas mit dem Licht Verwandtes und doch von ihm zu Unterscheidendes: das Leben der Sonne. Das Leben beginnt sich im Innern zu regen, im Unwahrnehmbaren, in der Stille. Es beschenkt die Wesen der Welt mit Werdekraft, mit der Kraft, sie selbst zu werden, und zwar ein jedes ganz individuell, wie es ihm entspricht. Im Frühling können wir dies ja ganz wunderbar beobachten. Überall zeigt sich die Kraft des Werdens in der Natur. Die Sonne, die äußerlich auf und untergeht wie in allen übrigen Jahreszeiten, ist auf eine stille Weise heimisch geworden auf der Erde: im Wachstum und in der Entfaltung der Pflanzenwelt. Das Licht schwindet jeden Abend, die Wärme wirkt fort auch durch die Nacht. Den Sinnen verborgen ist die Sonne eingezogen in die Erdenwelt und wirkt auch im Dunkeln, in der Finsternis, im Innern der Wesen fort, führt sie selbst zur Erscheinung. Christus, indem er in Jerusalem einzieht am Palmsonntag, wird von den Menschen bejubelt, als ginge die Sonne für sie auf, als erfüllten sich mit seinem Einzug heimliche Wünsche und Hoffnungen. Aber der Jubel verhallt, indem er wieder fortzieht, wie der Glanz der Sonne verschwindet, wenn sie untergeht. Ernüchterung breitet sich aus. Manch einer mag sich gefragt haben: Was ist eigentlich geschehen? Diese Frage hat ihre Berechtigung nicht nur im Hinblick auf das, was vorübergegangen ist, sondern eben auch auf das, was im Stillen das äußere Geschehen begleitet hat. Dieser Bereich dessen, was in der Stille geschieht, wird uns zugänglich, indem wir das Bild aufgreifen, das Emil Bock in Zusammenhang bringt mit den Palmsonntagsereignissen: den Einzug der Sonne. Indem wir das Wirken Christi am Palmsonntag als ein Sonnenwirken begreifen, können wir fragen: Ist das geschehen, dass sein Glanz nicht nur äußerlich geschaut wurde? Hat sich die Sonne als Wärme, als Lebenswärme, die den Wesen die Kraft zur eigenen Entfaltung schenken und selbst in dieser Entfaltung als gegenwärtig offenbar werden will, hat sie sich als solche Innenwärme den Menschen mitteilen können? Hat der, dessen Wesen so sonnenglänzend erlebt wurde, auch einziehen können als Lebensspender und Lebensträger in die Menschenherzen? Ist die Stille, die den Palmsonntag beschließt, eine Stille wie die an der Bahre eines Verstorbenen, erfüllt nur von Erinnerung an Geschehenes? Oder ist es eine von Lebenswärme erfüllte, zukunftszugewandte Stille, das Berührtwordensein von einer neuen Möglichkeit zu eigenem Werden?

In die Stille des eigenen Wesens werden wir geführt, wenn wir das Wirken jener Sonne weiterverfolgen, die am Palmsonntag für die Menschen aufgeht. Äußerlich schlägt ihr der Jubel entgegen. Dieses Sonnenwesen sucht aber tiefere Schichten, in die es sein Licht hineintragen will, die Schichten, in denen es still bleibt, in denen die Sonne, die über Gut und Böse gleichermaßen leuchtet, immer nur den einzelnen finden und erkraften kann. Das ist der Teil der Ereignisse dieses Tages, der der Stille angehört, in dem das Geschehene nicht erfüllt ist, als der Tag sich neigt, sondern in dem die gleiche Art der Begegnung mit dem Sonnenwesen des Christus auch heute, auch durch uns immer wieder noch geschehen kann und geschehen will. Bewunderung für den Glanz seines göttlichen Wesens zu erwecken, ist er nicht eingezogen in die Menschenwelt. Um die Herzen zu berühren, ihnen Lebenskraft zu schenken aus seinem eigenen GottesSonnenWesen heraus, hat er sich uns hingeschenkt, jedem einzelnen von uns. Denn diese Sonnengabe, dass seine Kraft Lebenskraft, Entfaltungskraft wird in uns, kann nur wirksam werden, wo er nicht er selbst bleibt, nicht das leuchtende Sonnenwesen bleibt, sondern wo er sich hinschenkt in die Wärme unserer Herzen, sich verwandelt in die Wärme, die unsere Herzen erfüllt.

Palmsonntag: Der äußere Glanz der strahlenden Sonne, deren Aufgang Jubel weckt, der äußere Glanz leuchtet auf und verdämmert. Im Verborgenen, dort, wo die Sonne immer nur den einzelnen berühren kann, im stillen Innern der Herzen, aber will sich etwas regen, will GottesSonnenWesen sich wandeln zu der Kraft, Menschenwesen zur Entfaltung zu führen, wie es dem einzelnen jeweils angemessen ist. In diesem Bereich der Stille können wir jene Sonne des Palmsonntags auch heute suchen. Hier sind auch wir aufgefordert, ihre Kraft zu erfahren und ihr Raum zu geben, dass ihr Licht Leben werden kann in unseren Herzen.

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Die Evangelien der Karwoche

Karmontag:                   Matthäus 21, 18-27
Kardienstag:                 Markus 11, 12-25
Karmittwoch:                Markus 12, 28-34
Gründonnerstag:         Johannes 12, 1-11
Karfreitag:                     Lukas 23, 13-32
Zur Sterbestunde:        Johannes 19, 1-15
Karsamstag:                  Johannes 19, 16-42

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Passion Ereignisse aus dem Johannes Evangelium

Aus der Übersetzung von Emil Bock

Kap. 18 Gefangennahme

Nach diesen Worten verließ Jesus mit seinen Jüngern das Haus und überquerte den tosenden Kidronbach. Auf dem anderen Ufer war ein Garten. In diesen Garten trat er mit seinen Jüngern ein. Diesen Ort kannte auch Judas, der ihn verriet; denn oftmals hatte Jesus seine Jünger dort um sich versammelt. So nahm denn Judas eine Abteilung von der römischen Kohorte und dazu einige von den Dienern der Hohenpriester und der Pharisäer und kam an mit Fackeln und Laternen und mit Waffen. Jesus nahm im Geiste alles wahr, was ihm bevorstand, und so trat er heraus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr?Sie antworteten: Jesus von Nazareth. Er sprach: Ich Bin es! Bei ihnen stand auch Judas, der ihn verriet. Als er nun zu ihnen sprach: Ich bin’s, fuhren sie zurück und stürzten zu Boden. Und noch einmal fragte er sie: Wen suchet ihr? Sie antworteten wieder: Jesus von Nazareth. Und Jesus sprach: Ich sagte es euch: Ich Bin es. Wenn ihr mich sucht, so laßt diese ihrer Wege gehen. Es sollte sich das Wort erfüllen, das er gesprochen hatte: Von denen, die du mir gegeben hast, lasse ich nicht einen einzigen verlorengehen.

Simon Petrus besaß ein Schwert. Das zückte er und schlug damit auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name dieses Dieners war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat? Da ergriffen sie Jesus, die Soldaten und der Befehlshaber und die Diener der Juden, und fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas. Dieser war der Schwiegervater des Kajaphas, der in diesem Jahre das Amt des Hohenpriesters innehatte. Kajaphas war es gewesen, der den Juden den Rat gegeben hatte, es sei gut, wenn ein Mensch für das Volk stürbe.

Verleugnung des Petrus und Anklage vor dem Hohenpriester

Es folgten Jesus nach Simon Petrus und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war ein Bekannter des Hohenpriesters und ging mit Jesus hinein in die Halle des hohenpriesterlichen Hauses. Petrus stand draußen vor dem Tor. Da ging der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, und sprach mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. Da sprach die Magd, die das Tor hütete, zu Petrus: Gehörst du nicht auch zu den Jüngern dieses Menschen? Er antwortete: Ich bin es nicht. Dort standen die Knechte und Diener umher und hatten, um sich zu wärmen, ein Kohlenfeuer gemacht, denn es war kalt. Zu ihnen stellte sich Petrus und wärmte sich.

Unterdes fragte der Hohepriester Jesus nach seinen Jüngern und nach seiner Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich vor aller Welt gesprochen. Allezeit habe ich in der Synagoge und im

Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Ich habe nichts im Geheimen verkündigt. Warum fragst du mich? Frage doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen sprach. Siehe, sie wissen, was ich, ganz aus mir heraus, verkündigt habe. Als er das sagte, gab einer der dabeistehen den Diener Jesus einen Backenstreich und sprach: Wagst du es, dem Hohenpriester so zu antworten? Jesus sprach zu ihm: Habe ich unrecht geredet, so beweise, daß es unrecht war. Habe ich aber richtig geredet, warum schlägst du mich denn? Da schickte ihn Hannas gefesselt vor den Hohenpriester Kajaphas.

Simon Petrus stand noch da und wärmte sich. Und sie sprachen zu ihm: Gehörst du nicht auch zu seinen Jüngern? Er verneinte es und sprach: Ich bin’s nicht. Da sprach einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hatte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder verneinte Petrus, und in diesem Augenblicke krähte der Hahn.

Verhandlung vor Pilatus

Von Kajaphas führten sie Jesus in das römische Gerichtshaus. Es war in der ersten Morgenfrühe. Sie gingen selbst nicht mit hinein in das Gerichtshaus, um sich nicht zu verunreinigen, sondern das Passah essen zu können. So trat Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? Sie antworteten: Wäre er nicht ein Übeltäter, so hätten wir ihn nicht zu dir gebracht. Da sprach Pilatus zu ihnen:  Nehmet ihn selbst und haltet über ihn Gericht nach eurem Gesetz. Die Juden aber sprachen: Wir haben keine Vollmacht, einen Menschen zu töten. Es sollte sich das Wort Jesu erfüllen, als er auf die Art des Todes deutete, der ihm bevorstand. Da ging Pilatus wieder in das Innere des Gerichtshauses, rief Jesus herbei und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das aus dir selber, oder haben dir das andere über mich gesagt? Pilatus sprach: Bin ich denn selbst ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich mir übergeben. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener für mich gekämpft und hätten mich nicht in die Hände der Juden fallen lassen. Aber mein Reich ist nicht von hier. Da fragte Pilatus: Bist du denn ein König?  Jesus erwiderte: Du mußt es sagen, ob ich ein König bin. Ich bin in die irdische Welt zur Geburt herabgestiegen, um für die Wahrheit zu zeugen. Jeder, der aus der Welt Wahrheit stammt, hört meine Stimme. Da sprach Pilatus zu ihm: Was Ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, trat er wieder heraus zu den Juden und sprach zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Nun herrscht aber doch bei euch der Brauch, daß ich euch zum Passahfest einen Gefangenen freigebe. Wenn ihr wollt, so gebe ich euch den König der Juden frei. Aber sie schrien zurück: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Mörder.

Kap. 19 Dornenkrönung

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen Purpurmantel um, schritten auf ihn zu und sprachen: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Und von neuem trat Pilatus hervor und sprach zu ihnen: Seht, so führe ich ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, daß ich keine Schuld an ihm finde. Und Jesus kam heraus, die Dornenkrone und den Purpurmantel tragend. Und er sprach zu ihnen: Siehe, das ist der Mensch. Als ihn die Hohenpriester und die Tempeldiener sahen, schrien sie laut: Kreuzige, kreuzige ihn! Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmet ihr ihn selbst und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. Da antworteten die Juden: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetze muß er sterben, denn er hat sich zu einem Gottessohn gemacht.

Verurteilung

Als Pilatus dieses Wort vernahm, erschrak er noch mehr und ging wieder hinein in das Gerichtshaus und sprach zu Jesus: Woher hast du deinen Auftrag? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Willst du zu mir nicht sprechen? Weißt du nicht, daß ich Vollmacht habe, dich zu befreien, und auch, dich ans Kreuz zu schlagen? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wäre sie dir nicht von einem Höheren gegeben. Darum fällt die schwerere Schicksalslast auf den, der mich dir überantwortet hat. Daraufhin versuchte Pilatus ihn freizulassen. Die Juden aber schrien: Wenn du ihn freiläßt, so bist du des Cäsars Freund nicht mehr. Denn jeder, der sich selbst zum Könige macht, widerstreitet dem Cäsar. Als er diese Worte gehört hatte, führte Pilatus Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die man das Steinpflaster nannte, auf hebräisch Gabbatha. Es war am Rüsttage des Passahfestes um die Mittagsstunde. Und er sprach zu den Juden: Seht, das ist euer König. Jene aber schrien: Weg mit ihm, weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus fragte: Soll ich euren König kreuzigen? Und die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Cäsar. Da gab er ihnen Jesus preis zur Kreuzigung.

Kreuzigung

Und sie griffen Jesus, und er trug das Kreuz hinaus zur Schädel-Stätte, auf hebräisch Golgotha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, den einen auf der einen, den andern auf der andern Seite, Jesus aber in der Mitte. Pilatus hatte eine Aufschrift geschrieben und heftete sie an das Kreuz. Darauf stand: JESUS VON NAZARETH, DER KÖNIG DER JUDEN. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Die Aufschrift war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht »der König der Juden«, sondern »jener sprach: Ich bin der König der Juden«. Pilatus aber antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Als nun die Soldaten Jesus an das Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Gewänder und teilten sie in vier Teile und gaben jedem Soldaten einen Teil. Dann nahmen sie auch den Mantel. Dieser

Mantel war ungenäht, von oben bis unten aus einem Stück gewebt. Da sprachen sie zueinander: Laßt uns den nicht zerteilen, sondern das Los werfen, wem er gehören soll. Es sollte sich das Wort der Schrift erfüllen: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und um meinen Mantel haben sie das Los geworfen.« Die Soldaten nun taten dies.

Es standen bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, die Maria des Kleophas, und Maria von Magdala. Als nun Jesus seine Mutter dastehen sah und den Jünger, den er liebhatte, sprach er zu der Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn. Und dann sprach er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Der Tod

Danach nahm Jesus im Geiste wahr: Alles ist der Weihe-Tat-Vollendung nahe, und damit das Wort der Schrift an sein Ziel komme, sprach er: Mich dürstet. Es stand dort ein Gefäß mit Essig. Und sie tränkten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysopzweig und hielten ihn ihm an den Mund. Und als Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist Vollbracht. Dann neigte er sein Haupt und hauchte seinen Atem aus.

Da es der Rüsttag war, wollten die Juden nicht, daß die Leiber den Sabbat über am Kreuze blieben, denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag. So baten sie Pilatus, man solle ihnen die Beine brechen und sie vom Kreuze nehmen. So kamen denn die Soldaten und brachen zuerst dem einen, dann dem andern Mitgekreuzigten die Beine. Als sie zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht. Einer aber von den Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Das hat der, der es sah, selber bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, daß er die Wahrheit spricht, damit auch ihr den Weg des Glaubens findet. Das alles geschah, damit sich das Wort erfüllte: »Man wird ihm die Gebeine nicht zerbrechen«, und auch die andere Stelle der Schrift: »Schauen werden sie den, den sie durchstochen haben.«

Grablegung

Danach kam Joseph von Arimathia zu Pilatus und bat ihn, den Leib Jesu vom Kreuze nehmen zu dürfen. Er war ein Jünger Jesu, blieb jedoch als solcher im Verborgenen aus Furcht vor den Juden. Pilatus gab ihm die Erlaubnis. So kam er denn und nahm seinen Leib herab. Auch Nikodemus kam, der zuerst im Nachtbereich zu Jesus gekommen war, und brachte an die hundert Pfund von einer Mischung aus Myrrhe und Aloe. Und sie nahmen den Leib Jesu und banden ihn in Bänder ein, die mit Balsamgewürzen getränkt waren, wie man es bei den Juden zur Grablegung zu tun pflegte. An der Stätte der Kreuzigung war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in das noch nie ein Mensch gelegt worden war. Dahinein legten sie Jesus aus Rücksicht auf den Rüsttag der Juden, denn das Grab war nahe.

** Hier kann sich das Vater Unser, laut oder leise gesprochen, anfügen.**