von Georg Dreißig aus dem Buch: Wenn ich ein König wär‘

Als in Nazareth das Brot ausgegangen war

Wenn die Felder im Herbst reiche Frucht getragen hatten und die Scheunen voll waren, dann freuten sich die Menschen, denn sie wussten, dass sie bis zum nächsten Sommer nicht würden hungern müssen. Wenn die Ernte aber mager war, dann schauten sie ernst drein, denn das hieß, dass sie im Frühjahr die Gürtel würden enger schnallen müssen.

Ein solches Jahr mit einer mageren Ernte lag hinter ihnen, als das Jesuskind fünf Jahre alt war. Über den Winter hatten die Kornvorräte gereicht. Aber nun gingen sie schnell zur Neige. Die Menschen aßen zwar nur noch ganz wenig Brot, aber auch das halft nur vorübergehend.

Wie aber sollte jemand seine Arbeit tun, wenn er nicht genug hatte, um sich satt essen zu können?

Auch bei Maria und Josef war der Hunger eingekehrt. Sie bemühten sich, dass wenigstens das Kind genügend Nahrung bekam. Aber eines Tages war kein Brot auf dem Tisch, und als der Knabe verwundert danach fragte, mussten sie ihm sagen, dass der letzte Kanten Brot aufgegessen sei. Vor dem Sommer würde es nun für sie kein Brot mehr geben.

Das Jesuskind, als es das hörte, stand einfach auf und sagte: „Wenn wir kein Brot haben, will ich es vom Bäcker holen.“

Betrübt sahen ihm seine Eltern nach. Sie wussten, dass auch der Bäcker in diesen Zeiten nichts zu verschenken hatte.

Das Jesuskind trat in das Haus des Bäckers, als der eben Teig geknetet hatte. War das eine armselig kleine Schüssel, die da vor ihm stand! Er schaute auf, als der kleine Junge grüßend zu ihm trat, und runzelte fragend die Stirn.

„Bist du etwa zum Betteln hergeschickt worden?“, fragte er brummig.

Das Jesuskind aber schüttelte den Kopf, blickte ihn ganz freundlich an und erwiderte: “Lass mich auch so einen Brotlaib formen, wie du es tust. Und wenn du Brot übrig hast, so will ich es gern meinen Eltern bringen.“

So ein verspieltes Kind, dachte der Bäcker, was weiß es von der Not, in der wir leben. Er nahm etwas von dem Teig und reichte es dem Knaben. Ach, war das wenig. Nicht einmal ein Brötchen hättet ihr daraus formen können. Das Jesuskind aber war ganz zufrieden mit dem, was es erhalten hatte. Eifrig formte es ein kleines Brot, ritzte ein winziges Kreuz hinein und reichte es dann dem Bäcker. Der hatte inzwischen selbst drei Brote geformt und steckte sie gerade in den Ofen. Das kleine Kinderbrot legte er daneben.

„Das wird bald fertig sein“, sagte er. „Warte hier. Du kannst es gleich wieder herausziehen. Und dann kannst du es mitnehmen.“

Das Jesuskind nickte nur und hockte sich erwartungsvoll vor den Ofen.

Als der Bäcker aber nach einer kurzen Weile den Ofen öffnete, sah er zu seinem Erstaunen, dass das kleine Brot des Jesusknaben zu einem mächtigen Laib aufgegangen und so groß geworden war, dass es die anderen drei Brote zur Seite gedrängt hatte.

„Wenn du magst, kleiner Bursche“, sagte er verwundert, „dann komm öfter zu mir, um mir zu helfen, die Brote zu formen.“

Das tat das Kind gern. So ging dem Bäcker in der Not das Brot nicht aus und er konnte auch denen schenken, die Mangel litten.

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Anregung: Zusammen mit den Kindern Brot backen und vielleicht in eine besondere Form bringen (Kreuz, Lemniskate, o.Ä.)

Zum Beispiel aus süßem Hefeteig: 400g Mehl, 100g Butter, 1 Ei, 50g Zucker, ein wenig Salz, 20g Hefe (oder eine Packung Trockenhefe), Milch nach Bedarf, abgeriebene Schale von Orange oder Zitrone, evtl. etwas Zimt