{"id":2342,"date":"2020-04-11T17:44:34","date_gmt":"2020-04-11T15:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/?p=2342"},"modified":"2020-04-11T18:11:21","modified_gmt":"2020-04-11T16:11:21","slug":"dem-auferstandenen-begegnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/?p=2342","title":{"rendered":"Dem Auferstandenen begegnen"},"content":{"rendered":"\n<p>von Georg Drei\u00dfig <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete2-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2359\" width=\"274\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete2-rotated.jpg 555w, https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete2-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete2-218x290.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 274px) 100vw, 274px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auferstehung \u2013 das ist zun\u00e4chst ein\nSchlagwort, gewiss. Wir wollen es heute probeweise einmal ein \u00bbHerzschlag-Wort\u00ab\nnennen und entsprechend versuchen, es mit dem Herzen zu verstehen. Was sagt uns\ndenn das schlagende Herz? Es sagt: Was mir aus der Welt zustr\u00f6mt, das nehme ich\nin mich auf, das \u00bbnehme ich mir zu Herzen\u00ab, das verschlie\u00dfe ich in mir, das mache\nich mir zu eigen. Und dann: Was ich mir zu eigen gemacht habe, was mein eigen\ngeworden ist, meine Herzensangelegenheit, was ich mit meinem Eigenwesen nicht\nnur f\u00fcr eine Zeit verbunden, sondern damit auch angereichert habe, mit meinem\nLeben erf\u00fcllt habe, das gebe ich wieder von mir, das verstr\u00f6me ich. Das tr\u00e4gt\nauch noch viel Totes in sich, aber dar\u00fcber hinaus \u2013 wer wei\u00df, ob nur im\n\u00fcbertragenen Sinn \u2013 meine Innerlichkeit, meine Herzlichkeit, Tod und Leben, wie\nsie meine Seele durchziehen, in meinem Wesen vorhanden sind. Auferstehung \u2013 ein\nHerzschlag-Wort:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Herz beginnt ganz neu f\u00fcr die Bedingungen von Menschheit und Erde zu schlagen, Leben zu verstr\u00f6men, als Christus ins Grab gelegt wird. Weltengro\u00df war das Christuswesen noch, als es, den Erdenmenschen noch weit \u00fcberstrahlend, in der Taufe begann, sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth zu verbinden. Vielerlei Wunderbares wird uns berichtet aus dem, was in jener Aura, die den Jesus umh\u00fcllte, erfahren werden konnte an Wundern, an Heilungen, angefangen mit dem Sonnenwunder-Wirken bei der Hochzeit zu Kana, als sich Wasser in Wein verwandelte. Wer ihm nahte, der trat in eine Lebensatmosph\u00e4re ein, die weit \u00fcber Jesu Gestalt hinausragte und nicht von den rein irdischen, sondern von Gesetzen einer Sonnenwirksamkeit erf\u00fcllt war, von Gesetzen, die Kraft hatten, das Irdisch-Beschr\u00e4nkte zu verwandeln oder gar aufzuheben Aber sein Herz trank; das Herz des Jesus von Nazareth trank in drei Erdenjahren das kosmisch gro\u00dfe Christuswesen ganz in sich hinein und teilte es seinem Menschenleibeswesen mit. Das g\u00f6ttliche Christuswesen wurde zum Menschen Jesus, der sich den Erdengesetzen unterordnete. Nicht um Sonnenwirksamkeit auf Erden geht es da, sondern um Erf\u00fcllung, Erf\u00fcllung der Prophetenworte, Erf\u00fcllung des Heilsplanes, Erf\u00fcllung des Menschenherzen. Das Menschenherz nimmt das g\u00f6ttliche Wesen in sich hinein, ganz in sich hinein, macht es sich zu eigen. Mensch ist der, den sie am Karfreitag nehmen, verurteilen und ans Kreuz schlagen, aber ein Mensch, dessen Herz erf\u00fcllt ist von dem g\u00f6ttlichen Wesen, und das findet in dem herzlichen Tun des Jesus von Nazareth seinen Ausdruck. Es \u00e4u\u00dfert sich aber in ganz irdisch-menschlichen Dimensionen. Ein kleines St\u00fcck Brot, ein winziger Schluck Wein waren am Abend zuvor zum Zeichen f\u00fcr die Anwesenheit seines Wesens geworden \u2013 Nahrung gerade in dem Ma\u00df, in der ein jeder sie im Augenblick wirklich in sich aufnehmen, sie sich wirklich zu eigen machen kann \u2013; die Kraft, aus der er hier handelt, ist keine g\u00f6tttlich-exklusive Zaubermacht mehr, sondern schlicht \u2013 die Liebe, derer er auch uns alle f\u00fcr f\u00e4hig erachtet. Menschliches Tun und g\u00f6ttliches Wesen durchdringen einander; das G\u00f6ttliche erf\u00fcllt das Menschliche. Und noch weiter beschr\u00e4nkt sich die Ausstrahlung des Mensch gewordenen Gottes, noch weiter verzichtet er auf alle Eigenheit, auf alles aus h\u00f6herer F\u00e4higkeit Selbstbewirkende. Am Kreuz werden ihm die Arme ausgebreitet, um ihn so an das Holz zu nageln \u2013 sinnlicher Ausdruck f\u00fcr seine ganze Hilflosigkeit. Und er gibt sich darein. Er l\u00e4sst es geschehen. Er l\u00e4sst sich diese Geb\u00e4rde von au\u00dfen diktieren. Zugleich aber verwandelt sich das Erfahrene, das Aufgenommene, das ihm Aufgezwungene im Herzen des Jesus von Nazareth; die ihm aufgen\u00f6tigte Geb\u00e4rde erf\u00fcllt er mit eigener Bedeutung, indem er sie zum Ausdruck seiner Liebe macht. Das hat Christian Morgenstern erkannt, als er dichtete: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00bbIch habe den Menschen\ngeseh\u2019n in seiner tiefsten Gestalt, ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich wei\u00df, dass Liebe,\nLiebe ihr tiefster Sinn, und dass ich da, um immer mehr zu lieben, bin. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich breite die Arme aus,\nwie er getan. Ich m\u00f6chte die ganze Welt, wie er, umfahn.\u00ab <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Gott ist Mensch geworden; er tr\u00e4gt und ertr\u00e4gt, was ihm angetan wird \u2013 und indem er es zur eigenen Herzensangelegenheit macht, erf\u00fcllt und verwandelt er es zugleich mit seinem eigenen Wesen. Er ents\u00fcndigt, entgiftet es, l\u00f6scht das Ert\u00f6tende, das darin wirkt, und begabt es mit neuem Lebenselement. Dann \u00f6ffnet sich das g\u00f6ttliche Herz \u2013 das Grab springt auf \u2013, und alles str\u00f6mt hervor, was das g\u00f6ttliche Herz aufgenommen hat \u2013 all das Leid, all der Schmerz, all die Schlechtigkeit der Menschen, all ihre Not und ihre Krankheit, ihre Angst und ihre Sorge, all ihr Ringen und Verzweifeln dem Tod gegen\u00fcber, dem An-ein-Ende-Kommen. Und siehe da, sein Wesen, das sich damit verbunden, das all das durchdrungen hat, es lebt darin und kann darin erlebt und zum Quellort f\u00fcr neues Leben werden. Der Ort, wo wir dem Auferstandenen begegnen, ist kein anderer Ort als der, auf den wir w\u00e4hrend der Karwoche hingeschaut haben, dort, wo wir an unserem Menschsein leiden, Schmerzen empfinden, mit unserer Schlechtigkeit ringen, Not und Krankheit, Angst und Sorge erfahren und angesichts des Todes verzweifeln. Dort begegnet ihm unser Herz, denn er hat, als er ein Menschenherz erf\u00fcllte, all dieses in sich aufgenommen, sich damit identifiziert. Er erf\u00fcllt es fortan mit seinem Wesen. Das haben zahllose Menschen bis in unser Jahrhundert hinein erfahren und bezeugt, angefangen bei den Emmaus-J\u00fcngern, denen das Herz brannte, Franziskus so klar wie Viktor Frankl oder Jacques Lusseyran, Simone Weil oder wie sie alle hei\u00dfen m\u00f6gen. Daf\u00fcr sind auch wir als Zeugen bestellt. Wir k\u00f6nnen es erfahren, wenn wir wach genug sind, im Leid, in der Angst, im Sterben auf seinen Herzschlag zu lauschen. Eines nur tut dazu Not: das eigene Herz nicht zu verh\u00e4rten, nicht sklerotisch werden zu lassen. \u00bbEr tadelte sie und ihres Herzens H\u00e4rtigkeit, das kalt geblieben war bei den Worten derer, die ihn geschaut hatten auferstanden\u00ab, hei\u00dft es bei Markus. Auferstehung \u2013 ein Herzschlag-Wort. Unser Herz kann uns lehren, ihm gerecht zu werden: aufnehmend, was uns aus der Welt zustr\u00f6mt \u2013 auch die Not, auch die Angst, auch das Sterben \u2013, uns leidend und mitleidend zu eigen zu machen, um es dann um unsere eigene Herzenskraft bereichert hinzugeben an die Welt \u2013 alles, was uns geschieht, was wir in uns hineingenommen haben, zum Ausdruck unserer Liebe verwandelnd. So kann auch die Einsicht, ja die Erkenntnis wachsen, dass unsere Herzenskraft , unsere Liebe uns bef\u00e4higt, letztlich die ganze Welt zum Guten hin zu verwandeln. F\u00fcr die Menschen und f\u00fcr die Erde und f\u00fcr das Gute darin beginnt das Herz des Auferstandenen im Ostergrab neu zu schlagen, daf\u00fcr kann unser Herz in jeder Sterbestunde neu zu schlagen beginnen, teilhabend in seinem Leben und in seiner Kraft am Leben und an der Kraft des Auferstandenen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete3-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2360\" width=\"400\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete3-rotated.jpg 575w, https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete3-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bluete3-218x290.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Drei\u00dfig Auferstehung \u2013 das ist zun\u00e4chst ein Schlagwort, gewiss. 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