{"id":2291,"date":"2020-03-28T15:27:13","date_gmt":"2020-03-28T14:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/?p=2291"},"modified":"2020-03-28T15:27:14","modified_gmt":"2020-03-28T14:27:14","slug":"geschichte-fuer-den-sonntag-29-maerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/?p=2291","title":{"rendered":"Geschichte f\u00fcr den Sonntag, 29. M\u00e4rz"},"content":{"rendered":"\n<p>von Georg Drei\u00dfig aus dem Buch: Wenn ich ein K\u00f6nig w\u00e4r\u2018<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das tote\nHolz<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Josef sollte f\u00fcr einen reichen Bauern eine neue Scheune\nbauen. Das Jesuskind hatte seinen Vater begleitet und ihm eine Weile bei der\nArbeit zugesehen. Dann aber machte er sich nach Knabenart daran, den Gutshof zu\nerkunden. Was f\u00fcr ein herrschaftliches Haus der Bauer hatte und was f\u00fcr\npr\u00e4chtige Stallungen und Scheunen! Und zwischen den H\u00e4usern gab es viele Beete,\ndie allerdings, da es fr\u00fch im Jahr war, noch kahl waren. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Jesusknabe sich umschaute, sah er, wie eine\nalte Frau zum Eingang des Wohnhauses hinaufstieg. Sie st\u00fctzte sich auf einen\nd\u00fcrren h\u00f6lzernen Stecken. In der Hand hielt sie eine Bettlerschale. Z\u00f6gernd\nklopfte sie an die T\u00fcr. Der Bauer selbst \u00f6ffnete ihr. Missmutig betrachtete er\ndie magere Alte, sch\u00fcttelte unwillig den Kopf und rief so laut, dass seine\nWorte weithin zu vernehmen waren: \u201eUnd ich sage dir, Mutter, dass es f\u00fcr dich\nmit der Bettelei an meiner T\u00fcr vorbei ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alte musste wohl versucht haben, ihn zu erweichen,\ndenn pl\u00f6tzlich entriss der Bauer ihr den d\u00fcrren Holzstecken und stie\u00df ihn in\nein Beet zwischen lauter kahle Rosenst\u00f6cke. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier ist erst wieder etwas zu holen f\u00fcr dich\u201c, polterte\ner, \u201ewenn dein Stecken mir Rosen tr\u00e4gt.\u201c Dann ging er, ohne die Alte noch\neinmal anzublicken, an ihr vorbei und schlug die T\u00fcr zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Jesusknabe sah der Frau nach, die, ihres Steckens\nberaubt, m\u00fchselig Fu\u00df vor Fu\u00df setzte, und er war dem Weinen nahe. Doch auf\neinmal besann er sich, eilte zu Josef und rief: \u201eVater, Vater, komm schnell.\nIch muss dir etwas zeigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Weil das Kind so dr\u00e4ngte, lie\u00df Josef die Arbeit ruhen und\nging mit ihm. Der Jesusknabe f\u00fchrte ihn zu dem Rosenbeet, wies auf den d\u00fcrren\nStecken und fragte: \u201eWann meinst du, Vater, wird der Stecken Rosen tragen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Josef musterte den Knaben erstaunt. Dann sch\u00fcttelte er\nden Kopf: \u201eDieser Stecken ist d\u00fcrr und tot. Aus dem sprie\u00dft niemals mehr ein\nBlatt hervor, geschweige denn Rosen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr muss aber doch Rosen tragen\u201c, rief das Kind, und\njetzt rannen ihm die Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen. Weinend trat er zu dem d\u00fcrren\nStecken, streichelte ihn und sprach: \u201eNicht wahr, f\u00fcr die arme Bettelfrau\ntr\u00e4gst du dem reichen Bauern Rosen.\u201c Dabei benetzten die Tr\u00e4nen des Knaben das\ntote Holz. <\/p>\n\n\n\n<p>Denkt euch: Dort, wo die Tr\u00e4nen des Kindes das Holz\nber\u00fchrten, schlugen auf einmal Zweige aus, die Bl\u00e4tter und Knospen trugen.\nJosef meinte, er k\u00f6nne seinen Augen nicht trauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Knabe aber eilte die Steinstufen hinauf und trommelte\nmit den F\u00e4usten so laut gegen die T\u00fcr, dass der Bauer erschrocken angelaufen\nkam, weil er meinte, es sei ein Ungl\u00fcck geschehen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchau, Bauer\u201c, rief er atemlos, \u201emorgen wird der Stock\ndir die ersten Rosen tragen. Jetzt darf die alte Frau wieder zu dir kommen, und\ndu gibst ihr zu essen, nicht wahr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bauer sah den d\u00fcrren Stecken und die Zweige daran mit\nden dicken Knospen, die bald aufspringen w\u00fcrden. Dann musterte er das Kind\nvoller Staunen. Sprechen konnte er vor Verwunderung nicht. So nickte er nur.\nInwendig aber sch\u00e4mte sich der reiche Bauer. Er sch\u00e4mte sich, dass das tote\nHolz sich erst erweichen musste, ehe auch sein Herz f\u00fcr die Not seiner eigenen\nMutter erweicht wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Anregung: Im Wald gr\u00fcne Zweige schneiden und Blumen\nsuchen, aus den Zweigen ein Kreuz binden und aus den Blumen einen Kranz \u2013 den\nKranz um das Kreuz legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder das Kreuz in einen gr\u00f6\u00dferen Blumentopf mit Erde\nstecken und den Kranz \u00fcber das Kreuz h\u00e4ngen (sp\u00e4ter kann man in diesen Topf den\nWeizen f\u00fcr das Gras s\u00e4en).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Drei\u00dfig aus dem Buch: Wenn ich ein K\u00f6nig w\u00e4r\u2018 Das tote Holz Josef sollte f\u00fcr einen reichen Bauern eine neue Scheune bauen. Das Jesuskind hatte seinen Vater begleitet und ihm eine Weile bei der Arbeit zugesehen. Dann aber machte er sich nach Knabenart daran, den Gutshof zu erkunden. 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