{"id":2253,"date":"2020-03-21T09:10:32","date_gmt":"2020-03-21T08:10:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/?p=2253"},"modified":"2020-03-21T09:10:33","modified_gmt":"2020-03-21T08:10:33","slug":"ein-ahnen-der-lebens-todestat-auf-golgatha-erlangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cg-koeln-ost.de\/start\/?p=2253","title":{"rendered":"Ein Ahnen der Lebens-Todestat auf Golgatha erlangen"},"content":{"rendered":"\n<p>Georg Drei\u00dfig<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die\nBilder der Kreuzigung und das Bild vom Samenkorn<\/h3>\n\n\n\n<p>Was auf Golgatha geschah, versuchen wir Jahr f\u00fcr Jahr neu zu fassen, und mit diesem Versuch stehen wir ganz im Einklang mit dem Willen des Engelsf\u00fcrsten Michael. Er winkt uns, so h\u00f6ren wir es im Zeitengebet zu Michaeli, ihm zum h\u00f6hern Ahnen der Lebens-Todestat auf Golgatha zu folgen, damit daraus Licht ins Erdenleben str\u00f6men kann. Um ein Ahnen handelt es sich dabei, d.h. um ein In-Beziehung-Treten zu einer Wirklichkeit und Wirksamkeit, noch ehe sie deutlich erkenn- und beschreibbar vor unserem Blick erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein entscheidendes Hindernis, das Geschehen auf Golgatha zu begreifen, ist, dass die Bilder, die die Berichte der Evangelien vor uns hinstellen, nur abbilden, was Menschen aus b\u00f6sen Absichten Christus angetan haben. Nicht ins Bild tritt, was Christus selbst innerlich durchmacht und in welcher Weise er in der scheinbaren Ohnmacht dennoch der Handelnde und die Geschehnisse Leitende ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diese Seite des Geschehens hat Christus am Palmsonntag selbst ein \u00fcberraschendes Bild gegeben. Johannes \u00fcberliefert das Christuswort: <em>Die Stunde ist gekommen, da der Sohn des Menschen verherrlicht werde. Ja, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn, das in die Erde versenkt wird, nicht erstirbt, so bleibt es allein. Erstirbt es aber, so tr\u00e4gt es viele Frucht (Joh 12,23 ff.).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Christus hat gewusst, was geschehen wird. Dreimal hat er\nangek\u00fcndigt, dass ihm Leiden bevorst\u00fcnden, beim dritten Mal sogar seine\nKreuzigung vorausgesagt (Mt 20,19). Dennoch geht er nach Jerusalem, obwohl\nseine J\u00fcnger ihn davor warnen, mehr noch: Er fordert sogar auf, ihm zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Christus wei\u00df, dass ihn der schmachvolle Tod am Kreuz\nerwartet \u2013 und er spricht vom S\u00e4en. Seine letzten Worte am Kreuz <em>\u201eEs ist\nvollbracht\u201c<\/em> <em>(Joh 19,30) <\/em>unterstreichen, dass er in dem Bewusstsein\nstirbt, eine Tat zu tun, die ihm aufgetragen war, die er vollenden wollte und\nam Kreuz vollendet. (Auf heimliche Weise greift das Wort \u201evollenden\u201c \u00fcbrigens\nden Hinweis auf die Saat wieder auf und erg\u00e4nzt das von Christus gegebene Bild.\nDas griechische Wort <em>teleo<\/em> besagt urspr\u00fcnglich, dass eine Ackerfurche\nbis ans Ende gezogen worden ist, bis zum Wendepunkt. Wenn alles vollendet ist,\nist der Acker umgepfl\u00fcgt: Es kann ges\u00e4t werden.)<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sei der Versuch unternommen, hineinzuf\u00fchlen in das,\nwas Christus im Sterben beabsichtigt und bewirkt, indem wir uns von seinem Bild\nvom Samen leiten lassen, der in die Erde versenkt werden und ersterben muss.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie\nChristus selbst in dem Geschehen darinsteht<\/h3>\n\n\n\n<p>Was\nwerden wir selbst innerlich erleben, wenn unser eigener Tod unmittelbar\nbevorsteht? Die Erinnerungen, die angesichts des nahen Lebensendes in uns\naufsteigen, fragen nicht mehr nach Zeit und Ort, sie sind alle gleichzeitig\ngegenw\u00e4rtig: die Kindheitserlebnisse sind uns ebenso nah wie das, was gestern\ngeschehen ist; ein farbenreiches Kaleidoskop von Orten, Erfahrungen, Gef\u00fchlen\nund Impulsen, was wir da in diesem Erdenleben zusammengesammelt haben und was\nunsere Seele nun ausf\u00fcllt. Insbesondere aber wird in uns lebendig, was wir mit\nMenschen erlebt haben, f\u00fcr die wir vielleicht eine besondere Verantwortung\nhatten: die Kinder, die Partner, die Freunde. Alles dies vergegenw\u00e4rtigt sich,\nleuchtet wieder auf, und es ist ganz und gar erf\u00fcllt und durchtr\u00e4nkt von\nEmpfindungen unterschiedlichster Art: Freude und Kummer, Dankbarkeit und\nBegl\u00fcckung, Schuld und Scheitern. \u00dcber all diesem aber t\u00f6nt das unfassbare,\neherne \u201eNicht mehr\u201c. Diese ganze F\u00fclle, die du da eben erlebst, wirst du mit\nNotwendigkeit fahren lassen m\u00fcssen in ein, zwei, drei Tagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dem Gewesenen gesellt sich aber noch etwas ganz anders\nGeartetes: das Bewusstsein von den M\u00f6glichkeiten, die in all dem\nWieder-Erinnerten geschlummert haben, die aber nur zum Teil verwirklicht, zum\nanderen Teil brach liegen gelassen wurden. Zum Vergangenen gesellt sich ein\nEmpfinden daf\u00fcr, was daraus h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, ein m\u00f6gliches Zuk\u00fcnftiges, das\nes nicht mehr geben wird. Damit paart sich immer st\u00e4rker die jetzt vergebliche\nSehnsucht: Ach, k\u00f6nnte ich es doch noch zu Ende f\u00fchren! Besonders schmerzvoll\nd\u00fcrfte sein, dass wir das, was wir in den Beziehungen zu den mit uns\nverbundenen Menschen vers\u00e4umt haben, jetzt als unab\u00e4nderlich akzeptieren\nm\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vergangene und das darin veranlagte Zuk\u00fcnftige, das\nunentfaltet in den Tod hineingeht, flie\u00dfen im Jetzt des Sterbens zusammen,\nkonzentrieren sich angesichts des eigenen Todes in einem Punkt. Wir k\u00f6nnen auch\nsagen: Ein ganzes Menschenleben zieht sich wie in ein Samenkorn zusammen. Ist\ndas der Same, von dem Christus am Palmsonntag gesprochen hat? In welche Erde\nm\u00fcsste es versenkt werden, um neues Leben entfalten zu k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was\nChristus im Sterben bewirkt<\/h3>\n\n\n\n<p>Was\nmag im Bewusstsein des am Kreuz Sterbenden gelebt haben?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Christus ist die Kreuzigung gar nicht das Ende,\nsondern der Wendepunkt seines Wirkens. Auch darin finden wir das Geheimnis des\nSamens wieder: Das scheinbare Ende bereitet ein neues Werden vor. Sein Sterben\naber ist ein Menschentod. Er verfl\u00fcchtigt sich nicht aus der Inkarnation, wie\nein griechischer <\/p>\n\n\n\n<p>Gott\nes getan h\u00e4tte, und er verendet nicht wie ein Tier; er stirbt als Mensch mit <\/p>\n\n\n\n<p>wachem\nBewusstsein f\u00fcr das, was er da erleidet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wohl nicht vermessen zu meinen, dass im Augenblick\ndes Sterbens das Bewusstsein Christi sich weiterspannt als bis in die Jahre der\nKindheit. Raum und Zeit, Weltenanfang und Weltenziel fallen ineinander,\ndurchdringen einander in seinem Herzen. Im Augenblick der Kreuzigung ist das\nHerz Christi das Zentrum der Welt: Urbeginn und Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Evangelien beschreiben uns nicht, wie Christus die\nOrte, an denen er weilte, erlebt und was er davon in seiner Erinnerung getragen\nhat. Viele Einzelheiten aber h\u00f6ren wir von Menschenschicksalen, mit denen er\nsich verbunden und denen er oft eine neue Richtung gegeben hat. Wir k\u00f6nnen uns\nhineinf\u00fchlen, wie diese jetzt in seinem Bewusstsein wieder aufleuchten m\u00f6gen:\nMaria Magdalena, die von sieben D\u00e4monen Besessene, die ihn gesalbt hat, Judas,\nder ihn verraten hat, Petrus, der dem Diener des Hohenpriesters das Ohr\nabgeschlagen hat, die Ehebrecherin, die er ermahnt hat, nicht mehr zu s\u00fcndigen,\nder J\u00fcngling zu Nain, den er ins Leben zur\u00fcckgerufen hat, Lazarus, der unter\ndem Kreuz steht \u2026 Wer w\u00e4re nicht in seinem Bewusstsein anwesend! Auch in seinem\nSterben leuchten die gemeinsamen Begegnungen und Erfahrungen auf, damit\nverbunden auch all das, was als M\u00f6glichkeiten in diesen Menschenschicksalen\nveranlagt war, was ihnen durch Christi Hilfe m\u00f6glich geworden war, und dar\u00fcber\nhinaus das offen Gebliebene, nicht Erf\u00fcllte, das von Sehnsucht und vergebener\nHoffnung Durchtr\u00e4nkte \u2013 und schlie\u00dflich auch das, was sich im Tod als falsch,\nunwahr und ungut enth\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Saatenf\u00fclle konzentrierter Menschenschicksale\ntr\u00e4gt der Gekreuzigte in seiner Seele in dem Augenblick, da er im Sterben ganz\nund gar Mensch wird. Am Kreuz klingen diese Schicksale zusammen mit seinen\nWeltenzielen, jenen Zielen, die uns vor der Geburt den Impuls gegeben haben,\nein Erdenleben anzutreten. Im Herzen des Gekreuzigten finden wir uns selbst\nwieder in dem Lebendigsten, das wir haben: unserer Teilhabe am Sch\u00f6pferwerk\nGottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun k\u00f6nnen wir uns klar machen: Was im Bewusstsein\ndessen aufleuchtet, der da am Kreuz den Menschentod erleidet, sind im Gegensatz\nzu dem, was wir selbst im Sterben durchmachen werden, durchaus keine \u201eNicht\nmehr\u201c-Erfahrungen. In seinem Herzensbewusstsein bleibt Christus mit all diesen\nSchicksalen \u00fcber den Tod hinaus verbunden, und just die unerf\u00fcllten Sehns\u00fcchte\nund Hoffnungen, die Vers\u00e4umnisse und Abirrungen werden jetzt kostbar, denn sie\nbilden die offenen Stellen, die Keimpunkte, an denen Christus diese\nMenschensamen erreichen und sie mit seinem Hingabewillen und Diene-Mut, seiner\nKlarheit und Verantwortungsbereitschaft durchtr\u00e4nken kann, wie die Sonne mit\nihrer W\u00e4rme die Saat durchtr\u00e4nkt. Dem \u201eNicht mehr\u201c des Todes stellt er eine\nst\u00e4rkere Kraft entgegen: <\/p>\n\n\n\n<p>die\nKraft der Auferstehung. Die Erfahrung \u201eNicht Ich\u201c flie\u00dft hinein in die andere:\n\u201eChristus in mir\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das\nKreuz im Zentrum der Menschenweihehandlung<\/h3>\n\n\n\n<p>Wann\nfindet die Menschenweihehandlung statt, die wir miteinander feiern? Wir k\u00f6nnen\nunsere Kalender und Uhren befragen, und sie werden uns eindeutige Antworten\ngeben. Wir k\u00f6nnen aber auch empfinden, dass im Sakrament Zeit und Raum wie in\neinem heiligen Punkt zusammenstr\u00f6men, in dem das Christusgeschehen ebenso\ngegenw\u00e4rtig ist wie das, was wir in unserer Biografie gerade durchleben. Als\nOpfernde stehen wir wie im Sterben am Ende eines Werdens, fassen zusammen, was\nwir uns erworben haben, bereit, es hinzugeben. Wir tauchen in diesem Vollzug\nganz bewusst in das Wesen und Wirken des auferstandenen Christus ein und\nhandeln mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vergegenw\u00e4rtigung jederzeit und \u00fcberall gilt auch\nf\u00fcr das Golgathageschehen selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der Menschenweihehandlung hei\u00dft es, \u201emit\ndiesem Worte\u201c sei den Menschen das G\u00f6ttliche wieder gegeben. Dieser Aussage\ngehen aber gar keine Worte, sondern Zeichen voraus: die drei Kreuze, die zur\nWeihe \u00fcber die Substanzen Brot und Wein geschlagen werden. Am Kreuz gewinnt der\nMensch wieder seinen Anteil am G\u00f6ttlichen, weil Christus unser sterbendes \u2013 in\ndiesem Zusammenhang k\u00f6nnen wir auch sagen: unser geopfertes \u2013 Wesen in sich\naufnimmt und keimf\u00e4hig erh\u00e4lt. Die Menschenweihehandlung nennt diese\nKeimkr\u00e4fte, die von ihm ausgehen, das neue Bekenntnis und den neuen Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6here Ahnen der Lebens-Todestat auf Golgatha, zu der\nMichael uns f\u00fchren will, kann darin bestehen, dass wir uns immer wieder\nbekennend und glaubend durchdringen mit dem Wesen des Christus,&nbsp; der sich in seinem Sterben nicht nur\nzeichenhaft, sondern wirksam zu uns bekennt und an uns glaubt, und dass wir zu\nf\u00fchlen versuchen, wie dieses Bekenntnis und dieser Glaube uns \u00f6ffnen f\u00fcr seine\nAnwesenheit, die sonnenhaft in uns eindringt als in seine Saat und uns\nempf\u00e4nglich und keimkr\u00e4ftig macht f\u00fcr das Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Mal, wenn wir das Kreuzeszeichen schlagen, treten\nwir ein in das Golgathageschehen. Immer fallen da Ewigkeit und Augenblick, Raum\nund Zeit, Weltenfernen und Erdenn\u00e4he zusammen im Jetzt: Jetzt ist es an der\nZeit, hier soll es geschehen \u2013 durch mich, aber nun nicht durch mich, sondern\ndurch den Christus in mir. Ich bin der Same, in dem die Christussonne Leben und\nEntfaltung wecken will und kann \u2013 im Tod, im Auferstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg Drei\u00dfig Die Bilder der Kreuzigung und das Bild vom Samenkorn Was auf Golgatha geschah, versuchen wir Jahr f\u00fcr Jahr neu zu fassen, und mit diesem Versuch stehen wir ganz im Einklang mit dem Willen des Engelsf\u00fcrsten Michael. 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