Liebe Mitglieder und Freunde
der Christengemeinschaft!

Nun haben wir den Advent erreicht und ich möchte Ihnen eine Geschichte zukommen lassen, welche für mein Verständnis so recht adventlich ist.
Herr Wohllieb, um den es in der kurzen Geschichte geht, erlebt, wenn man so möchte, im Grunde genommen eine kleine Lebenskrise. Wie er aus dieser wieder herauskommt, steht wohl in Beziehung zu der Perikope des 1. Advents, der Ölbergapokalypse, wenn auch nicht so dramatisch, wie wir vermutlich meinen. Auf eine sanfte, kleine und doch bestimmte Art findet er seinen Weg.

Diese kleine Geschichte strahlt eine wunderbare Leichtigkeit aus, die wir oftmals vermissen, wenn es an die großen Themen des Lebens geht. Manchmal ist es ganz gut, den kleinen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken und zu bemerken, dass nicht alles so furchtbar schwer sein muss.

Ich wünsche Ihnen eine gute Adventszeit, achten Sie auf die innere Ruhe und denken Sie ab und zu an Herrn Wohllieb, wenn mal wieder nichts so läuft, wie es soll.

Für Ihre Geduld und treue Begleitung, auch durch das Medium Email, bedanke ich mich von Herzen.


Herzliche Grüße
Ihre Anna Hofer

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Herr Wohllieb wartet auf ein Zeichen

Als Herr Wohllieb Dienstagmorgen erwachte, hatte sich ein großes Loch aufgetan. Unten rauschten die Lastwagen. Gegenüber schüttelte eine Frau im dritten Stock ihren Teppich über den Köpfen der Fußgänger aus. Der Himmel war mittelgrau und die Leuchtreklame des Tabakladens blinkte unverdrossen. Es war Dezember. Alles war wie immer, nur dass plötzlich diese Frage vor ihm stand: „Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?“

Sie war aufgetaucht, als Herr Wohllieb gründlich seine Zähne putzte und sich dabei routinemäßig im Spiegel betrachtete. Sein Haar hatte sich für einen angenehmen Silberton entschieden, der mit dem Eisblau des Pyjamas korrespondierte, den er in allen geraden Wochen trug. (Für die ungeraden hatte er einen Mintgrünen, eine, wie er fand, etwas gewagte Farbe. Aber nachts sah ihn ja niemand.) Die Frage verschwand auch beim Frühstück nicht. Gegen Mittag machte er sich daran, die Badezimmerfugen zu reinigen, um sich zu zerstreuen, aber die Frage blieb. Groß und unüberhörbar stand sie im Raum und ließ sich nicht ignorieren. Herr Wohllieb wunderte sich, denn normalerweise neigte er keinesfalls zu Grübeleien. Im Gegenteil, er schätzte sich als ausgesprochen nüchternen und unkomplizierten Zeitgenossen, dessen einzige Exzentrik darin bestand, sonntags ein weiches Frühstücksei mit Orangenmarmelade zu essen. Über das Leben im Allgemeinen hatte er sich noch nie Gedanken gemacht.

Nach reiflicher Überlegung beschloss er, sich an Gott, den Allmächtigen, zu wenden. Auch wenn sie bisher noch nicht viel Kontakt miteinander hatten, nahm er an, dass er der richtige Ansprechpartner für derlei Dinge wäre.
„Herr Gott“, begann er, strich über sein Haar und straffte den Rücken, denn dies war ein ernster Moment. Er räusperte sich noch einmal und sprach in Richtung Zimmerdecke: „Was soll ich tun mit meinem Leben? Bitte sei so gut und gib mir ein Zeichen. Danke.“ Er zögerte kurz und fügte noch hinzu: „Dein Bernd.“ Dann wartete er. Aber Gott schwieg.

„Merkwürdig murmelte Herr Wohllieb, denn er hatte mit einer raschen Reaktion gerechnet. Sein Fall lag ja nicht so kompliziert. „Ob er meine Nachricht nicht erhalten hat? Vielleicht ist er überlastet…“ Er verwarf den Gedanken schnell. „Wie albern“, schalt er sich, „überlastet. Der Allmächtige!»

Nach eingehender Betrachtung entschied er, dass es nur einen einzigen Grund für Gottes Schweigen geben konnte: Er dachte nach. Er, Gott, der Allmächtige, wollte für ihn, Bernd Wohllieb, eine perfekte, eine wahrhaft vollkommene Antwort finden. Der Gedanke liess ihn erröten. Sein Herz pochte schneller. Sollte er, Bernd Wohllieb, denn so wichtig sein? Das war doch nicht möglich! Er fuhr sich ein weiteres Mal durchs Haar und beschloss, eine Krawatte umzubinden. Dann machte er einen Spaziergang, bei dem er jedem Passenten freundlich zunickte, denn auf keinen Fall wollte er, der offenkundig ein so bedeutender Mensch war, für hochnäsig gehalten werden.

Auch die folgenden Tage bleiben Tage des Schweigens. Gott dachte nach und Herr Wohllieb wollte ihn nicht stören. Sorgsam ging er mit sich um hielt sich höflich die Tür auf und achtete darauf, nicht mit sich selbst zu schimpfen, wie er es häufig tat, wenn er «Ich Dussel» murmelte oder «Jetzt reiss dich aber zusammen!». Wenn Gott, der Herr, ihn für so wichtig hielt, dass er bereits drei volle Tage über ihn nachdachte, dann sollte er es ihm nachtun und sich nicht für weniger wichtig halten.

Je länger Gottes Schweigen dauerte, desto mehr Ehrfurcht bewirkte es in Herrn Wohllieb.

Er bemerkte kaum, wie die Jahre vergingen. Seine Haare wurden weiss und er verlor drei Zähne, die Lastwagen auf der Strasse wurden grösser und eines Morgens war die alte Leuchtreklame gegen eine moderne Schrift ausgetauscht. Manchmal fiel ihm seine Frage dieses fernen Dienstagmorgens wieder ein. Dann sagte sich Herr Wohllieb: «Gott denkt über mich nach.» Und das beruhigte ihn so ungemein und es erfüllte ihn mit einer solchen Wärme, weil er wusste, zwischen Gott, dem Herrn, und ihm, dem alten Herrn Wohllieb, gab s so etwas wie ein stilles Einvernehmen. Und das war möglicherweise Antwort genug.
Autorin: Susanne Niemeyer


Ölbergapokalypse

Übersetzung von Tom Tritschel
Lukas 21, 25 – 36

Es werden Zeichen erscheinen an der Sonne, am Mond und in den Sternen, auf Erden aber werden die Völker in Bedrängnis geraten und ratlos sein vor dem Heranbranden des Weltenmeeres. Und die Menschen werden sich selbst verlieren in Furcht und banger Erwartung alles dessen, was über den ganzen Erdkreis hereinbricht; denn selbst die Kräfte in den Himmeln werden in Bewegung kommen. Dann aber werden sie schauen den Sohn des Menschen kommend in einer Wolke, in der Kraft und im Glanze seiner Offenbarung. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann richtet
euch auf und erhebet eure Häupter zum Geiste, denn nahe ist die Stunde eurer Erlösung. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigen-baum an und mit ihm alle anderen Bäume: Wenn sie Knospen treiben so könnt ihr es sehen, und er-kennt von selbst, der Sommer ist nahe. So auch wenn ihr seht, dass alles dies geschieht, erkennet daran, das Gottesreich kommt euch nahe. Die Wahrheit sage ich euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bevor alles dies sich erfüllt. Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber wer-den nicht vergehen. Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Rausch und Taumel und mit all den täglichen Sorgen, damit dieser Tag nicht unvorbereitet über euch komme wie eine er-würgende Schlinge; denn er wird kommen über alle, die da wohnen auf dem Angesicht der ganzen Erde.
So seid denn wachen Geistes, allezeit in betenden Gedanken, dass ihr stark sein werdet, hervorzugehen aus alledem, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.

Die Verkündigung an Zacharias

Lukas 1
(Evangelium für die Kinder)

Es war in den Tagen, als Herodes König von Judäa war, da lebte ein Priester mit Namen Zacharias aus Priesterabteilung des Abija, der war verheiratet mit einer Frau namens Elisabeth, die von Aaron ab-stammte. Sie richteten ihr Leben ganz auf Gott und gingen beide unbeirrt ihren Weg in allen Zielen und Ordnungen des Herrn. Sie hatten aber kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide hatten schon ein hohes Alter erreicht.
Da ereignete es sich: Während er vor Gott den Priesterdienst versah, als seiner Priesterabteilung an der Reihe war, da fiel nach der Ordnung des Priesteramtes auf ihn das Los zu räuchern, und er betrat den Tempel des Herrn, und die ganze Menge des Gottesvolkes betete draußen zur gleichen Zeit, während drinnen das Rauchopfer vollzogen wurde. Da erschien ihm aber ein Engel des Herrn, der stand zur Rechten am Altar des Rauchopfers, und Zacharias war zutiefst erschüttert, als er ihn sah, und Furcht überfiel ihn. Aber der Engel sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein inniges Gebet ist erhört worden: Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und seinen Namen sollst du Johannes nennen das bedeutet: Gott ist gnädig. Und er wird dir Freude und Jubel bereiten, und viele werden sich über seine Geburt freuen! Erfüllt vom Geist und der Vollmacht des Elias wird er ihnen vorangehen“. Und Zacharias sprach zu dem Engel: „Woran werde ich dies erkennen? Denn Ich bin ein alter Mann, und alt ist auch meine Frau.“ Da antwortete der Engel und sprach zu ihm: „Ich bin es – Gabriel, der Gott zur Seite steht – und ich bin gesandt, zu dir zu sprechen und dir diese Engel-Botschaft zu verkünden! Und siehe: du wirst verstummen und keinen Laut von dir geben können bis zu dem Tag, an dem es geschieht, dafür, weil du sonst meinen Worten nicht vertrauen kannst, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden.“
Und das Volk wartete schon auf Zacharias, und sie wunderten sich darüber, dass er so viel Zeit im Tempel zubrachte. Als er aber heraustrat, konnte er keinen Laut zu ihnen sprechen, und sie erkannten, dass er im Tempel eine Schauung gehabt hatte, und so winkte er ihnen zu und blieb stumm. 23Und es er-eignete sich: Nachdem die Tage erfüllt waren mit der heiligen Handlung für die Menschen, ging er weg in sein Haus, und seine Frau Elisabeth wurde bald darauf schwanger. Da zog sie sich fünf Monate vollständig zurück und sprach: „So wirkt der Herr in der Gegenwart – er hat auf mich gesehen und meine Beschämung unter den Menschen von mir